Ziegler ist verkauft

Käufer ist der chinesischen Nutzfahrzeug- und Logistik-Konzern CIMC. Das Bundeskartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen. Insolvenzbrand endgültig gelöscht.

Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler hat den Geschäftsbetrieb des weltweit operierenden Feuerlöschfahrzeugherstellers Ziegler an den börsennotierten chinesischen Nutzfahrzeug- und Logistik-Konzern CIMC verkauft. Alle Arbeitsplätze und Standorte der Ziegler-Gruppe bleiben erhalten. Dem Verkauf ist ein zweijähriger aufwändiger und umfangreicher Restrukturierungsprozess in der Insolvenz vorausgegangen. Zuletzt konnte Ziegler die Marktführerschaft für Deutschland zurückerlangen und den höchsten Auftragseingang seit zehn Jahren verzeichnen. Die Zahl der Mitarbeiter ist wieder auf das vorinsolvenzliche Niveau gestiegen.

„CIMC ist der perfekte Partner für Ziegler“, betonte Kübler, Seniorpartner und Namensgeber der bundesweit tätigen Insolvenzkanzlei KÜBLER, heute am Hauptsitz der Gruppe im schwäbischen Giengen. „Der chinesische Konzern verfügt über langjährige Erfahrung im Geschäft mit Nutz- und Spezialfahrzeugen und bietet Ziegler eine ideale Basis für den gezielten Ausbau des internationalen Geschäfts.“ Schon heute geht mehr als ein Drittel der Ziegler-Fahrzeuge in den Export, wobei der größte Teil des Umsatzes in Europa erwirtschaftet wird. Darüber hinaus ist Ziegler v.a. in Afrika und Asien aktiv.

CIMC übernimmt den gesamten Geschäftsbetrieb der Ziegler-Hauptgesellschaft Albert Ziegler GmbH & Co. KG sowie alle 12 deutschen und internationalen Tochtergesellschaften. Der Kaufpreis, der nach asiatischen Börsenvorschriften veröffentlicht wird, beträgt rund 55 Mio. EUR. Das Bundeskartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen.

Das Insolvenzverfahren Ziegler gehört zu den spektakulärsten und schwierigsten Verfahren der letzten Jahre. Ziegler hatte im Sommer 2011 Insolvenz anmelden müssen. Unmittelbarer Auslöser war – neben jahrelangem Missmanagement – die Aufdeckung des sog. Feuerwehrbeschaffungskartells, dem neben Ziegler drei weitere Produzenten (Rosenbauer, IVECO und Schlingmann) angehört hatten. Das Verfahren endete mit einer millionenschweren Kartellbuße.
In den ersten Monaten der Insolvenz waren insbesondere die Aufträge vonseiten öffentlicher Kunden eingebrochen, weil viele Kommunen davor zurückschreckten, bei einem insolventen Unternehmen zu bestellen. Hinzu kamen Vorbehalte aus dem zurückliegenden Kartellverfahren. Dennoch schaffte es Insolvenzverwalter Kübler zusammen mit seinem Restrukturierungsteam, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Vorbehalte der Kommunen in monatelanger Überzeugungsarbeit auszuräumen.

Parallel startete Kübler ein umfassendes Restrukturierungsprogramm. Ein notwendig gewordener Personalabbau konnte dabei sozialverträglich über die Einrichtung einer Transfergesellschaft erfolgen. Zugleich wurden während des Insolvenzverfahrens zahlreiche technische Innovationen entwickelt und auf den Markt gebracht, so der Merkur, ein Tunnelrettungsfahrzeug mit zwei Fahrerkabinen und elektrischem Antrieb, und die Fire Ant, das kleinste dreiachsige Tanklöschfahrzeug der Welt.
Schließlich erreichte Ziegler in diesem Sommer trotz der schwierigen Umstände beim Auftragseingang sogar einen Zehnjahresrekord. Es mussten neue Mitarbeiter eingestellt werden, sodass zuletzt mit knapp 1.000 Arbeitnehmern wieder der Personalbestand aus der Zeit vor Beginn des Insolvenzverfahrens erreicht wurde. „Diese Entwicklung freut mich besonders, da es ohne die außerordentliche Leistung der Mitarbeiter nicht möglich gewesen wäre, das Unternehmen wieder auf die Beine zu stellen“, unterstrich Kübler.

Dem Verkauf war ein strukturierter, intensiver Investorenprozess vorausgegangen. Der Verkauf von Ziegler stieß weltweit auf großes Interesse. Es wurden Gespräche mit rund 150 Interessenten geführt, bis schließlich CIMC aufgrund der überzeugendsten Lösung und des besten Kaufpreisgebots den Zuschlag erhielt. Der Verkaufsprozess wurde begleitet vom weltweit operierenden Schweizer M&A-Beratungsunternehmen Rasenberger Toschek AG.

CIMC ist ein börsennotierter Konzern mit Sitz in Shenzhen (www.cimc.com). Er beschäftigt weltweit rund 63.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahre 2012 einen Umsatz von 8,9 Mrd. EUR. Gegründet im Jahr 1980, gehört CIMC heute zu den führenden chinesischen Unternehmen und ist in sieben Geschäftsbereichen tätig, darunter Containerbau, Flughafenausrüstung, Offshore-Plattformen sowie Nutz- und Spezialfahrzeuge.

CIMC unterhält Beteiligungen und Produktionsstätten auf fünf Kontinenten. In Deutschland gehören bereits die TGE Gas Engineering GmbH (Bonn) sowie der Trailer-Hersteller CIMC Silvergreen GmbH (Neu-Ulm) zum Konzern.
CIMC ist seit 2004 der größte chinesische Hersteller von Nutzfahrzeugen. In der Sparte Spezialfahrzeuge produziert CIMC u.a. bereits Kühl-, Flüssigkeits- und Zement-Transportfahrzeuge, die weltweit vertrieben werden. „Ziegler kann damit künftig auf erhebliches technisches Know-how und ein internationales Vertriebsnetz zurückgreifen, über das keiner der Wettbewerber auch nur annähernd verfügt“, stellte Kübler abschließend fest.

Heute am meisten gelesen

Brand eines Dreiseithofs in Burkau (Foto: KFV Bautzen)

Brand eines Dreiseithofs in Burkau (Foto: KFV Bautzen)

Beim Vollbrand eines Dreiseithofes im sächsischen Burkau versuchte der Einsatzleiter, umliegende Wehren nachzualarmieren. Doch auch diese konnten nicht voll besetzt anrücken.
Symbolfoto: D. Heppner/FW Dorsten

Symbolfoto: D. Heppner/FW Dorsten

Im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages kann nur noch bis 23. November mitgezeichnet werden.

In der FEUERWEHR lesen Sie:

Rettungswagen der WF LEAG: Über Stock und Stein
Innovativ: Neue Feuerwehrhäuser
Nach Unwetter: Zugentgleisung im Zeitzgrund
Fahrzeuglackierungen: In Gedenken an den 11. September
Einsatz unter Tage: Die Grubenwehr in Tirol – ein Porträt

Neuen Kommentar schreiben