Schwere Unwetter halten Feuerwehren auf Trab

Starke Regenfälle im Westen und Südwesten Deutschlands hielten die Einsatzkräfte der Feuerwehren in Atem: Zahlreiche Keller liefen voll Wasser und Fahrbahnen wurden überflutet. In Düsseldorf schlug ein Blitz in das Dach einer Doppelhaushälfte und setzte diese in Brand.

Zum dritten Mal binnen einer Woche suchten schwere Unwetter den Westen des Kreises Heinsberg auf. Am Dienstag (22.5. 2018) um kurz nach drei Uhr nachmittags wurden die ersten Einheiten der Feuerwehr Selfkant (LK Heinsberg, NRW) zur Beseitigung von Unwetterschäden alarmiert. Hierbei wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr insbesondere in dem stark betroffenen Ortsteil Schalbruch eingesetzt. Binnen weniger Minuten drangen große Wassermassen in die Ortschaft ein und überfluteten Straßen und Keller. Teilweise standen die Kellerräume der Wohnhäuser bis zur Kellerdecke unter Wasser. Um 16:19 Uhr wurden die Einheit Gangelt sowie die Bauhofstaffel der Feuerwehr Gangelt zur Unterstützung angefordert. Zwanzig Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt unter der Leitung des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Günter Paulzen eilten ihren Kameraden im Selfkant zur Hilfe. Zudem stellte die Einheit Stahe-Niederbusch sowie die Drehleiterbesatzung der Feuerwehr Gangelt den Grundschutz für das Gemeindegebiet Selfkant sicher.

Die Einheit Gangelt wurde zunächst zur Bundesstraße 56 Neu (B56N) beordert. Dort stand kurz vor der niederländischen Grenze die Fahrbahn der Bundesstraße mehrere Zentimeter hoch unter Wasser. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle auf der stark befahrenen Straße und beseitigte die Gefahr. Durch die Wassermassen kam es zu erheblichen Behinderungen im Feierabendverkehr auf der Bundesstraße.

In Schalbruch unterstütze die Bauhofstaffel der Feuerwehr Gangelt währenddessen die Feuerwehr Selfkant. Gemeinsam befreiten die Einsatzkräfte die Räume einer sehr großen Kellerwohnung von den Wassermassen. Mit vier Pumpen gelang es den Einsatzkräften, dass Wasser weitestgehend aus der Wohnung zu befördern. Zur Versorgung der Einsatzkräfte mit Getränken und Nahrung wurde gegen 18 Uhr die 1. Einsatzeinheit NRW des Deutschen Roten Kreuz alarmiert. Diese sorgte für eine Stärkung der Einsatzkräfte im Feuerwehrgerätehaus Schalbruch-Havert. Gegen 21 Uhr konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt ihren Heimweg antreten. Anschließend wurden die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, um für den nächsten Einsatz gewappnet zu sein. Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK unter der Leitung von Gemeindebrandinspektor Josef Dahlmanns (Selfkant) von etwa 15 Uhr bis Mitternacht im Einsatz.

Düsseldorf

Gegen 17:00 Uhr liefen die ersten Notrufe auf der Feuerwehrleitstelle ein. Ein Unwetter, das maßgeblich über Unterrath, aber auch in Teilen von Derendorf, Stockum und Rath niederging, sorgete innerhalb von einer halben Stunde für insgesamt 47 Einsätze mit Wasserschaden. Ein Großteil der Einsätze waren vollgelaufene Keller, die von den Freiwilligen Feuerwehren aus dem Stadtgebiet, sowie von der Berufsfeuerwehr abgearbeitet werden.

Um 18:07 Uhr rückten die Einsatzkräfte Flughafenstraße, Münsterstraße, und von der Freiwilligen Feuerwehr Wittlar, sowie der Führungsdienst von Feuerwache Hüttenstraße zu einem Dachstuhlbrand in Wittlar aus. Dort war der Blitz in den Dachfirst einer Doppelhaushälte eingeschlagen und hatte diesen in Brand gesetzt. Mit drei Rohren wurde das Feuer von außen bekämpft und konnte so schnell gelöscht werden. Anschließend wurde der Dachstuhl noch von innen mit einer Wärmebildkamera kontrolliert und von außen zehn quadratmeter Dachziegel entfernt um Glutnester auszuschließen. Es gab keine Verletzte. Der Sachschaden beläuft sich auf zirka 10.000 Euro. Es waren rund 30 Einsatzkräfte zwei Stunden im Einsatz.

Landkreis Karlsruhe

Im Zeitraum zwischen 16.00 und 18.00 Uhr zogen mehrere, hartnäckige Gewitterzellen mit heftigem Starkregen, Hagel, Blitz und Donner über den Landkreis Karlsruhe. Das Unwetter zog über den südöstlichen Teil in den Landkreis hinein und breitete sich bis in die nordöstliche Region aus. Die Feuerwehren aus Pfinztal, Walzbachtal-Jöhlingen, Weingarten und Bruchsal wurden zu mehreren, mit Wasser vollgelaufenen Kellern sowie überspülten Straßenzügen und mit Schlamm bedeckten Straßen alarmiert.

Besonders heftig traf es das Kraichtal und Östringen. In den Kraichtaler Stadtteilen Unteröwisheim, Oberöwisheim und Neuenbürg drückte es das Regenwasser den Abhang hinunter und überschwemmte kurzzeitig zahlreiche Straßenzüge. Die Feuerwehr Kraichtal war im Dauereinsatz um alle Einsatzstellen abzuarbeiten. In Neuenbürg schoss das Wasser und der Schlamm einen Abhang hinab in einen Neubau eines Wohnhauses.

In den Östringer Stadtteilen Odenheim und Tiefenbach schoss ein reißender Fluss durch die Ortsmitte. Innerhalb zwei Stunden fielen hier über 30 Liter pro Quadratmeter. Die Kanalisation schaffte die Wassermassen nicht mehr und das Wasser drückte auf die Straße. Dutzend Keller liefen voll und mussten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Der "Katzbach" stieg bedrohlich an. Vorsorglich wurden Sandsäcke gefüllt und in Stellung gebracht um die Wohnhäsuer zu schützen, sollte der Bach über die Ufer treten. Insgesamt mussten die Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe mit insgesamt etwa 130 Einsatzkräften zu 81 unwetterbedingten Einsätzen am Abend ausrücken. Die Aufräumarbeiten dauerten bis in die Nacht an. Zurück blieben Straßen voller Schlamm.

Heiligenhaus

Die Leitstelle des Kreises alarmierte die Feuerwehr Heiligenhaus das erste Mal um 17:31 Uhr. Das Hilfeersuchen kam von einem Hof am Angerweg, die Meldung lautete "Ganzer Hof überschwemmt". Zwei weitere Meldungen liefen von einem großen Ladenlokal an der Bergstraße sowie aus einem Keller an der Erich-Ollenhauer-Straße ein.

"Wir haben die Kräfte auf die Einsatzstellen aufgeteilt", erklärt der stellvertretende Wehrleiter Nils Vollmar. Vollmar selbst fuhr mit einem Teil der Mannschaft zum Angerweg. Zunächst sah es aus, als wäre großflächig Kies auf dem Hof verteilt worden. "So etwas habe ich noch nicht gesehen", schildert Vollmar. "Wir haben hier mit viel Wasser gerechnet, aber nicht mit Schlamm und Hagel." Der kurzzeitige, starke Hagelfall löste Teile des oberhalb liegenden Feldes und spülte diese bergab. Große Flächen des Hofes waren mit Schlamm bedeckt, viele Teile zudem ca. 30 cm hoch mit Hagelkörnern. Eine Kellergarage war über einen Meter hoch mit Hagel gefüllt. Vollmar selbst versank bis zum Oberschenkel in einer Masse aus Schlamm, Hagelkörnern und Wasser, als er einen Schritt zuviel in die falsche Richtung wagte. Eingesetzt wurde eine Hochleistungspumpe, die das Wasser aus der Kellergarage saugte. Zusätzlich unterstützten die fünf Kräfte mit Bauern aus der Umgegend bei der Beseitigung von Schlamm und Hagel.

An der Bergstraße war die Lage nicht ganz so drastisch, erklärt Einsatzleiter Michael Schäfer: "Wasser konnte hier nicht richtig abfließen und sammelte sich im unteren Geschoss auf dem Boden. Wir haben Wassersauger eingesetzt, um das Wasser zu beseitigen." An der Erich-Ollenhauer-Straße stellte sich die Lage ähnlich dar, auch hier rückte ein Trupp mit Tauchpumpe und Wassersauger an.

Die Aufräumarbeiten nach dem Einsatz dauerten über eine Stunde. Ein Fahrzeug musste massiv von Schlamm und Dreck befreit werden, Geräte wurden gereinigt, Bekleidung in die Wäsche gepackt. Um 21:30 Uhr war auch für die letzten von 16 Einsatzkräften Feierabend.

Red. mit FW Gangelt, FW Düsseldorf, KFV LK Karlsruhe, FW Heiligenhaus

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