Der richtige Handschuh

Um bei einem Einsatz die Verletzungsgefahr einzudämmen, sind Schutzhandschuhe unerlässlich. Doch die Auswahl ist groß. Worauf muss man achten?

Feuerwehrschutzhandschuhe schützen vor mechanischen Einwirkungen (stechen, schneiden, reißen), vor Wärmestrahlung und Flammen, vor Wasserdampf und vor spritzenden oder herabfallenden, brennenden, glühenden Teilen und Funken. Auch vor Regen, Kälte, Wind sowie vor chemischen Einwirkungen bieten sie einen sicheren Schutz. Allerdings müssen sie dazu einige Bedingungen erfüllen.

Normen und Schutzlevel

Schutzhandschuhe für die Feuerwehr müssen nach EN  659 zertifiziert sein. Hier kommt es auf die Wasserdichtigkeit, Atmungsaktivität, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Durchstichfestigkeit, Weiterreißfestigkeit, den Schutz vor Kontakthitze, Schutz vor Strahlungshitze, Chemikalienschutz, die Waschbarkeit bei 60  °C und Haltbarkeit an. Die Abriebfestigkeit muss mindestens die Stufe 3 von 4 erreichen. Der Anspruch an die Schnittfestigkeit ist Schnittschutzlevel 2. Zudem kommt es auf eine hohe Weiterreißfestigkeit (mindestens Level  3) und Stichfestigkeit (mindestens Level 3) an. Natürlich wird bei einem Feuerwehrhandschuh auch das Brennverhalten und Verhalten bei Strahlungs- und Kontaktwärme bewertet. Weniger als drei Sekunden darf es dauern, um den Handschuh im Extremfall auszuziehen. Der Einsatz von Handschuhen der Kategorie 1 sollte kritisch hinterfragt werden. Diese Handschuhe haben ein geringes Schutzvermögen. Sie gelten als einfache PSA – also Schutz gegen geringe Risiken. Handschuhe der Kategorie 2 eignen sich für die Technische Hilfeleistung und schützen vor mittleren Risiken. Zu den Handschuhen ist eine Gebrauchsanweisung bzw. ein Informationsblatt mitzuliefern. Der Hersteller muss die technischen Unterlagen erstellen und eine EG-Baumusterprüfung durchführen lassen.

Schutzhandschuhe der Kategorie 3 schützen vor sogenannten tödlichen Gefahren. Hier geht der Hersteller davon aus, dass der Anwender die unmittelbare Wirkung nicht rechtzeitig erkennen kann. Darunter fällt PSA, bei deren Versagen schwere Gesundheitsschäden des Trägers zu erwarten sind. Neben den technischen Unterlagen und der EG-Konformitätserklärung hat der Hersteller durch eine zertifizierte Stelle eine EG-Baumusterprüfung durchzuführen und die Qualität seiner Produkte durch das EG–Qualitätssicherungssystem sicherzustellen. Namhafte Hersteller prüfen die Qualität der Handschuhe jährlich auf Basis des angemeldeten Zertifikats.

Wenn die Schutzeigenschaften von Feuerwehrhandschuhen nicht gefordert sind, sollten günstigere TH-Handschuhe verwendet werden. (Foto: Eska)

Allgemeine Anforderungen

  • DIN EN 420: Sie regelt die „Allgemeine[n] Anfor­derungen für Handschuhe“ und schließt damit auch feuerwehrfremde, z.  B. medizinische Handschuhe oder einfache Gummihandschuhe, mit ein.
  • DIN EN 388: Darin sind Anforderungen, Prüfverfahren, Kennzeichnung und Herstellerinformationen für „Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken“ (Abrieb, Schnitt, Weiter­reißen und Durchstich) festgelegt. Je nach Gefähr­dungsbeurteilung werden die Anforderungen an den Handschuh gewählt.
  • DIN EN 659: Hier sind die Mindestanforderungen (auch gegen mechanische Risiken der vorgenannten DIN EN 388 und thermische Risiken aus anderen Normen mit den erforderlichen Leistungsstufen) und weitere Prüfverfahren für Feuerwehrschutzhandschuhe zu finden. Solche Feuerwehrschutzhandschuhe schützen die Hände bei normalen Brandbekämpfungstätigkeiten einschließlich Rettung und Bergung. Sie ersetzen nicht Schutzhandschuhe für besondere Gefahren, wie z.  B. aluminierte Hitzeschutzhandschuhe, medizinische Handschuhe oder Chemikalienschutzhandschuhe.

Bezüglich der Pflege, Reinigung und Nutzung von Schutzhandschuhen sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen.

Textil versus Leder

Vor über 20 Jahren wurde der erste textile Feuerwehrhandschuh erfunden, der seither auf dem Siegeszug um die Welt ist. Doch in manchen Ländern wird noch immer auf einen reinen Lederhandschuh gesetzt. Ohne Zweifel, eine Lederinnenhand bietet ein angenehmes Tragegefühl. Die Handschuhe sind weich und griffig. Und Grip ist beim Arbeiten mit Handschuhen unerlässlich. Dieser sorgt dafür, dass das Werkstück nicht aus der Hand fällt – auch wenn es z.  B. öl­verschmiert und deswegen rutschig ist. Aus diesem Grund werden Schutzhandschuhe aus Textilien mit einer speziellen rutschfesten Innenhand versehen. Hier gibt es endlose Variationen an Materialen und Verfahren. Von Silikon-Carbon-Beschichtungen bis zu gerippter Anti-Slip-Beschichtung sorgen hochleistungsfähige, moderne Materialen für den notwendigen Grip. Diese stehen Leder in nichts nach.

Der größte Nachteil des Leders ist das Schrumpfen bei Hitze. Eine Eigenschaft, die nirgends so fatal ist wie bei einem Feuerwehrhandschuh für die Brandbekämpfung. Vollleder schrumpft ab 180  °C, Spaltleder ab 250  °C. Auch die schlechte Abriebfestigkeit und verringerte Waschbarkeit sprechen nicht gerade für Leder. Nur wenige Hersteller setzen auf tem­peraturbeständiges Spaltleder, das durch eine Spezialgerbung erst bei 350  °C zu schrumpfen beginnt. Vollleder kann nicht durch eine Spezialgerbung höher tempe­raturbeständig ausgerüstet werden, da zusätzliche Mineralgerbstoffe die weiche Narbe verhärten würden.

Woran lässt sich ein schnitt­hemmender Handschuh erkennen?

Ganz einfach: Im Etikett oder auf dem Handrücken befindet sich ein Piktogramm mit einem Hammer und dem Verweis auf die einschlägige Norm EN 388. Sie definiert die mechanischen Risiken. Unter dem Piktogramm ist ein vierstelliger Zahlencode, dessen zweite Zahl für das Schnittschutzlevel steht. Die Skala reicht von 1 bis 5. Je höher die Zahl, desto schnittfester ist der Handschuh. Ab einem Schnittschutzlevel von 3 wird von einem schnitthemmenden Handschuh gesprochen. Diese Schutzklasse reicht für alle herkömmlichen Arbeiten mit scharfen und spitzen Gegenständen auch aus. Wer aber eine Arbeit mit sehr hoher Schnittgefährdung ausübt, also beispielsweise mit Schneidewerkzeugen hantiert, benötigt Handschuhe mit dem Schutzlevel  5. Schutzlevel  4 wird heute kaum noch benötigt und kommt daher vergleichsweise selten vor. Handschuhe für die Technische Hilfeleistung müssen nach EN  388 mit den Werten 3233 versehen sein

Feuerwehr- oder TH-Handschuh?

Zwei Handschuhpaare sind Pflicht, um die vielfältigen Aufgaben eines Feuerwehrmanns optimal bewältigen zu können. Wenn die Schutzeigenschaften eines Feuerwehrhandschuhs nicht gefordert sind, dann wird die Nutzung des TH-Handschuhs empfohlen. Da die Handschuhe nach DIN EN 388 wesentlich günstiger sind als die nach DIN EN 659, fällt es leichter, sie zu entsorgen. Diese Anwendungspraxis ist sinnvoll; so stehen intakte Feuerwehrhandschuhe nach DIN EN 659 für die Brandbekämpfung bereit und verschleißen langsamer.

Die Feuerwehrhandschuhe nach DIN EN 659 sind jedoch Universalhandschuhe. Daher sind sie auch für die meisten anderen Gefahren im Feuerwehrdienst, wie z.  B. mechanische Gefahren, nach DIN EN 388 geeignet. Sofern bei der Technischen Hilfeleistung nur mechanische Gefahren vorhanden sind, können auch Handschuhe eingesetzt werden, die nur gegen diese mechanischen Gefahren nach DIN EN 388 schützen. Dabei sollten jedoch die Mindestleistungsstufen erfüllt werden, die auch die Feuerwehrhandschuhe erfüllen.

Doch auf dem Markt gibt es auch TH-Handschuhe, die die Mindestleistungsstufen der Feuerwehrhandschuhe unterschreiten. Es ist nicht verboten, für bestimmte Tätigkeiten Handschuhe mit geringeren Leistungsstufen einzusetzen, dies erfordert jedoch wiederum eine spezielle Gefährdungsbeurteilung, die auf die bestimmte Tätigkeit abgestimmt ist. In der Praxis bietet es sich an, für Arbeiten bei der Technischen Hilfeleistung mit ausschließlich mechanischen Gefährdungen die entsprechenden Mindestleistungsstufen für Feuerwehrhandschuhe nach DIN EN 659 zu beachten.

Slim Cut: Dieser schmaler geschnittene TH-Handschuh für Frauenhände entstand bei einem Ideenwettbewerb der Fa. Seiz.

Membranen

Das Innere eines modernen Schutzhandschuhs besteht aus mehreren integrierten Lagen. Über dem Innenfutter liegt ein zwei- oder dreilagiges Insert, das z.  B. bei Gore-Tex aus einer mikroporösen Membrane sowie ein oder zwei schützenden Faserstoffen besteht. Die Inserts sind in Form des Handschuhs gefertigt und besitzen verklebte oder wärmeversiegelte Nähte, die weich, biegsam und beim Tragen kaum zu merken sind. Sie verfügen zudem über spezielle Bänder zur Fixierung des Inserts zwischen Obermaterial und isolierendem Innenfutter des Schutzhandschuhs. Für ein deutlich besseres Tastgefühl wird das komplette Insert mit dem Innenfutter verklebt und fest mit dem Obermaterial verbunden.

So gewährleistet das Inlet dauerhafte Wasserdichtigkeit auch bei Kontakt mit herkömmlichen Chemikalien, bei starker mechanischer Beanspruchung und Maschinenwäsche. Gleichzeitig müssen die Handschuhe hoch atmungsaktiv sein, damit Schweiß leicht entweichen kann und die Wärme­iso­lation nicht feucht wird.

Pflege und Handhabung

Die Zeiten, in denen die fleißigste Einsatzkraft an dem Verschmutzungsgrad seines Helmes und seiner Handschuhe erkannt wurde, sind vorbei. Hygiene ist ein wichtiges Gebot. Daher sollten die Handschuhe regelmäßig gereinigt und im Zweifelsfall ersetzt werden. Allerdings ist das mit der Waschbarkeit nicht immer so einfach. Die eingeschränkte Waschbarkeit bei Lederhandschuhen wurde bereits erwähnt, doch es gibt auch Schwierigkeiten, die nicht sofort ersichtlich sind. Sie betreffen die Membrane: Handschuhe mit einfachen PU-Membranen sind nach weniger als zehn Waschgängen undicht. Hochwertige Handschuhe haben auch nach nachweislich 30 Zyklen bei 60  °C keine Auflösungserscheinungen. Daher sollte auf namhafte Hersteller und die Verarbeitung von Markenmembranen geachtet werden. Von Weichspülern und Fleckenlösern ist in jedem Fall abzusehen. Klettverschlüsse sind ordentlich zu schließen, damit die Klettbänder beim Waschen durch die Reibung kein Material beschädigen.

Nach dem Waschen müssen die Handschuhe getrocknet werden. Es empfiehlt sich, die Handschuhe an den Fingerspitzen aufzuhängen und an der Luft trocknen zu lassen. Handschuhe sollten keinesfalls im Wäschetrockner getrocknet werden. Zwar halten Qualitätsmembrane auch dieser Anforderung stand, doch der Langlebigkeit des Handschuhs kommt das langsame Trocknen zugute. Durch schlechte Trocknung schimmelig gewordene Handschuhe sind zu reinigen. Feuerwehrhandschuhe sollten auf keinen Fall eingefettet werden.

Handschuhe müssen ausgesondert werden, wenn sie folgende Beschädigungen aufweisen:

  • Löcher oder Risse im Oberstoff
  • offene Nähte
  • Abschmelzungen oder Verfärbungen durch Brandeinwirkung
  • Schrumpfung bei Lederhandschuhen

Handschuhe und Handicap

Handschuhe als Teil der PSA sollen auch Feuerwehrangehörigen passen, die ein körperliches Handicap, z.  B. verlorene Finger, haben. Bei einem Fünf-Finger-Handschuh können die leeren Handschuhfinger den Träger behindern oder gar gefährden. Sicherlich denkt der eine oder andere an eine einfache Lösung und plant, die Schutzhandschuhe selbst zu verändern. Von diesen „Selbstbaulösungen“ ist jedoch dringend abzuraten! Wie bereits beschrieben, sind Handschuhe heutzutage ein Hightechprodukt, welches bei einer Veränderung in seiner Funktion mindestens beeinträchtigt oder sogar komplett zerstört wird. Darüber hinaus wird man selbst zum Hersteller und muss auch für die nun „neu entstandene“ PSA haftbar einstehen. Wird ein Handschuh tatsächlich umgenäht, kommt es z.  B. zur Verwendung eines falschen Garnes, das wohlmöglich brennbar ist. Somit wird eine neue Gefährdung geschaffen. Genauso verhält es sich eventuell mit an die Handschuhinnenfläche genähten Handschuhfingern. Das Greifverhalten des Handschuhs wird stark verändert und auch die Gefahr des Hängenbleibens ist erhöht. Bleibt der Handschuh hängen und die Hand rutscht heraus, ist sie komplett ohne Schutz.

Einige Hersteller passen die Produkte auch individuell an wie hier mit gekürzten Fingern. (Foto: Seiz)

Doch es ist möglich, einen Normhandschuh mit z.  B. drei Fingern anfertigen zu lassen. Die Norm fordert keinen Fünf-Finger-Handschuh, weder in der DIN EN 695 „Feuerwehrschutzhandschuhe“ noch in der DIN EN 420 „Schutzhandschuhe“. Jedoch müssen die Hersteller, um eine Zertifizierung nach Norm zu bekommen, den Handschuh prüfen lassen. Aus wirtschaftlichen Gründen machen sie das verständlicherweise nur für Massenprodukte, um die hohen Kosten der Prüfungen auf hohe Stückzahlen zu verteilen. Ein Einzelstück normen zu lassen, wäre absolut unwirtschaftlich. Es ist jedoch auch nicht notwendig, denn für das Einführen in den Markt ist lediglich die Konformitätserklärung („CE“) notwendig. Da es sich jedoch um eine Sonderanfertigung handelt, müssen die Herstellenden zusätzlich klare Aussagen in der Gebrauchsanleitung zum vorhergesehenen Verwendungszweck angeben. Das geschieht wiederum mittels Gefährdungsbeurteilung.

Red., HFUK Nord

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