Neues HLF 10 für Feuerwehr Biberbach

Neues HLF 10 für Feuerwehr Biberbach

Als Ersatz für ein LF 8 aus dem Jahr 1985 beschaffte Biberbach ein HLF 10, das Ziegler aufgebaut wurde. Mit dem Fahrzeug beginnt eine neue Epoche in der bayerischen Marktgemeinde

Als Ersatz für den bisherigen Erstangreifer der Freiwilligen Feuerwehr Biberbach (LK Augsburg, BY) - ein LF 8, Baujahr 1985; Ziegler auf MB 813 - wurde durch den Markt Biberbach ein HLF 10 nach DIN 14530-26:2011-11 beschafft. Damit beginnt für die FF Biberbach eine neue Epoche, denn erstmals steht der Feuerwehr ein kompletter hydraulischer Rettungssatz zur Verfügung.

Der Aufbau wurde in Aluminiumpaneelbauweise von der Fa. Albert Ziegler GmbH in Giengen gefertigt. Als Fahrgestell dient ein MAN TGM 13.290, das mit seinen bis zu 213 kW (290 PS) und 1.150 Nm bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 13.000 kg für ausreichend Vortrieb sorgt. Durch die geltende Ausnahmeregelung des Freistaats Bayern konnte auf die Abgasnorm EURO V zurückgegriffen werden, damit entfällt ein zusätzlicher Betriebsstoff für die Abgasreinigung. Zur Traktionserhöhung bei ungünstigen Bedingungen ist das Fahrzeug mit Allradantrieb und Schleuderketten ausgerüstet. Das automatisierte 12-Gang-Schaltgetriebe von ZF verfügt über ein Sonderfahrprogramm für Einsatzfahrzeuge, das durch eine beschleunigungsoptimierte Schaltstrategie kürzere Schaltzeiten und ein verbessertes Rückschaltverhalten ermöglicht. Die Hinterachse ist luftgefedert, dadurch kann der Aufbau zur leichteren Geräteentnahme abgesenkt werden.

Kabine

Die Gruppenkabine („Z-Cab“) verfügt über eine Halterung für den Notfallrucksack am Meldersitz, pneumatisch klappende Auftritte an den Türen, eine LED-Innenbeleuchtung und eine Standheizung für die Wintermonate. Vier Sitze sind mit Halterungen für Atemschutzgeräte ausgestattet, sodass sich zwei Trupps bereits während der Anfahrt ausrüsten können.

Warnsysteme

Die Sondersignalanlage ist komplett in stromsparender LED-Technik ausgeführt, das Heckwarnsystem besteht aus sechs gelben LED-Blitzern. Die Umfeldbeleuchtung und ein pneumatischer Lichtmast mit sechs 43-W-LED-Scheinwerfern sorgen auch bei Nacht für ein sicheres Arbeiten. Die Rückfahrkamera und die LED-Rangierscheinwerfer unter den Spiegeln dienen ebenfalls der Sicherheit. Über ein eingebautes 230-V-Ladegerät werden die Fahrzeugbatterien im Gerätehaus dauerhaft geladen.

1.000 l Löschwasser dabei

Zur schnellen Brandbekämpfung führt das Fahrzeug 1.000 Liter Löschwasser mit, die mithilfe der vom Fahrzeugmotor angetriebenen Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-2000 abgegeben werden können. Neben vier B-Abgängen stehen dazu ein formstabiler Schnellangriff (50 m) und ein abnehmbarer Dachwerfer Typ Alco APF 2,5-C mit verstellbarer Hohlstrahldüse von 600 bis 2000 l/min Durchflussleistung zur Verfügung.

Beladung

Im Aufbau findet neben der Normbeladung auch eine örtliche Zusatzbeladung Platz. Dabei wurde auf eine logische Aufteilung der Ausrüstungsteile geachtet: Die THL-Beladung ist auf der rechten, die Beladung zur Brandbekämpfung auf der linken Fahrzeugseite verlastet. Einige gut erhaltene Ausrüstungsgegenstände konnten vom Vorgängerfahrzeug übernommen werden, so z.B. die vier Atemschutzgeräte, der Hochleistungslüfter und die Tragkraftspritze TS 8/8, die im Tiefbau des G1 gelagert ist. Die Schlauchlogistik der C-Schläuche wird durch Schlauchwickelkörbe vereinfacht. Alle Strahlrohre sind Hohlstrahlrohre vom Typ Leader Quadrafog, die Schaumausrüstung besteht aus sechs Kanistern mit je 20 l Schaummittel, einem Zumischer Z4 und einem Kombischaumrohr S4/M4. Zur Sicherheit im Atemschutzeinsatz sind eine Atemschutznotfalltasche und eine Wärmebildkamera Bullard Eclipse LDX mit an Bord.

Technische Hilfeleistung

Der hydraulische Rettungssatz der Firma Holmatro besteht aus einem 230-V-Pumpenaggregat SR 32 DC 2 W mit Doppelschlauchhaspel (20 m), Schneidgerät CU 5050, Spreizer SP 5260, Kleinschneidgerät (Pedalschneider) CU 4007 und drei Rettungszylindern mit Längen von 512 bis 1.625 mm. Das Schneidgerät mit einer maximalen Schneidkraft von 579 kN und der Spreizer mit einer maximalen Spreizkraft von 522 kN bieten auch bei modernen Fahrzeugen noch Leistungsreserven. Umfangreiches Unterbau- und Stabilisierungsmaterial ist ebenso vorhanden wie Material zur Verkehrsabsicherung. Zum Heben schwerer Lasten ist ein Hochdruck-Hebekissensystem (12 bar) von Vetter mit Kissen 100 kN und 200 kN verlastet.

Der Gerätesatz Auf- und Abseilgerät von Skylotec ermöglicht die Rettung aus bis zu 30 m Tiefe und kann zusammen mit dem Steckleiterverbindungsteil zur Schachtrettung eingesetzt werden. Zum Trennen verschiedenster Materialien sind eine Kettensäge, eine Säbelsäge und ein Trennschleifer vorhanden. Dem Schutz von Einsatzkräften  und eingeklemmten Patienten dient die Airbagsicherung sowohl für die Fahrer- als auch die Beifahrerseite. Der Beladungssatz Grobreinigung ist als Hygieneboard in der robusten Edelstahlvariante mit Wasserhahn und Druckluftanschluss ausgeführt.

Stromversorgung und Licht

Zur Stromversorgung an der Einsatzstelle ist im Tiefbau des G6 ein 9-kVA-Stromerzeuger Eisemann BSKA 9 EV S verlastet, der mit den zwei 1000-W-Halogenscheinwerfern und Stativ auch zur Ausleuchtung eingesetzt werden kann. Vollgelaufene Keller können mit der mitgeführten Tauchpumpe TP 4/1 ausgepumpt werden. Die Werkzeugkästen Verkehrsunfall, Elektro- und Handwerkzeug runden die Ausrüstung für die technische Hilfeleistung ab.

Fahrzeugdaten

  • Fahrgestell: MAN TGM 13.290 4X4 BL FW
  • zul Gesamtgewicht: 13.000 kg
  • Abmessungen: L 7.300 x B 2.500 x H 2.300 mm
  • Motor: MAN D0836, Hubraum 6.871 cm³, EURO V
  • Leistung: 213 kW (290 PS)
  • Getriebe: MAN TipMatic (automatisiertes 12-Gang-Schaltgetriebe)
  • Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
  • Aufbauhersteller: Ziegler
  • Aufbau: Ziegler ALPAS 2 mit Z-Cab
  • Besatzung: 1/8
  • Löschwassertank: 1.000 l
  • Pumpe: Ziegler FPN 10-2000

Manuel Kraus, FF Biberbach

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