Neues Spezialschiff der Seenotretter getauft

Neues Spezialschiff der Seenotretter getauft

Mit einem Knall ist die Sektflasche am Bug des neuen Seenotrettungsbootes der Freiwilligen-Station Gelting (SH) zerplatzt. Das war der entscheidende Moment bei der Taufe der jüngsten Rettungseinheit der Seenotretter.

Seit Samstag (25.8. 2018) trägt das neueste Spezialschiff den Namen URSULA DETTMANN. Das Rettungsboot ist nach einer Spenderin benannt, die die Seenotretter in ihrem Nachlass bedacht hatte. „Die URSULA DETTMANN ist ein Seenotrettungsboot der neuesten Generation“, sagt der freiwillige Vormann Thilo Heinze. „Das Boot ist ausgesprochen seetüchtig und hat ganz hervorragende Fahreigenschaften – es liegt einfach sehr gut im Wasser.“ Der Neubau ist mit modernster Technik ausgestattet und mit 380 PS deutlich leistungsstärker als sein Vorgänger. Zudem ist die Rettungseinheit rund zwei Meter länger und einen halben Meter breiter als die JENS FÜERSCHIPP: „Wir können jetzt Schiffbrüchige, Erkrankte und Verletzte viel besser transportieren und an Bord medizinisch versorgen“, betont Heinze. Seit Juni 2018 liegt die URSULA DETTMANN an ihrem Liegeplatz im Sportboothafen Gelting-Mole und hat sich – noch unter ihrer internen Bezeichnung SRB 71 – bei ihren ersten Einsätzen bereits bewährt.

Bei vielen Einsätzen hat in Gelting eine Frau das Sagen an Bord: Birgit Heinze ist freiwillige Seenotretterin – und stellvertretender Vormann. Wenn ihr Mann Thilo Heinze als fest angestellter Seenotretter zum zweiwöchigen Diensttörn auf Helgoland ist, leitet sie die Freiwilligen-Station an der Ostsee. „Die Bezeichnung ,weiblicher Vormann‘ gefällt mir. Ich finde es gut, den überlieferten Vormannsbegriff zu bewahren“, sagt Birgit Heinze.

Bei der Taufe schlüpfte die 54-Jährige in eine für sie ungewohnte Rolle: Als Taufpatin sprach sie die traditionellen Worte: „Ich taufe Dich auf den Namen URSULA DETTMANN und wünsche Dir und Deiner Besatzung allzeit gute Fahrt und stets eine glückliche Heimkehr.“ Diese Aufgabe empfand Birgit Heinze „als besondere Ehre“.

Wie alle ihre Rettungseinheiten und ihre gesamte Arbeit haben die Seenotretter auch das jüngste Mitglied ihrer Flotte vollständig aus Spenden finanziert. Ermöglicht wurde der Neubau durch den Nachlass der begeisterten Seglerin Ursula Dettmann. Mit ihrem bereits 2010 verstorbenen Mann Siegfried Dettmann segelte sie in jüngeren Jahren vor allem auf der Ostsee. Seither fühlten sich die beiden mit den Seenotrettern eng verbunden. Deshalb setzte das Ehepaar bereits 1983 in ihrem Testament die DGzRS als Alleinerbin ein. Ursula Dettmann verstarb 2016 und hatte sich eine Namengebung für eine Rettungseinheit gewünscht.

„Diesem Wunsch sind wir sehr gerne nachgekommen“, sagte der stellvertretende DGzRS-Vorsitzer Ingo Kramer bei der Taufe. „Schließlich gibt uns ein Nachlass dieser Art die Freiheit, einer Station ein neues, modernes und sehr sicheres Einsatzfahrzeug zu bieten. Denn unser Ziel ist es natürlich nicht nur, Menschen aus Seenot zu retten, sondern auch, dass unsere Besatzungen von jedem Einsatz heil und gesund zurückkehren. Wir statten sie mit der besten Rettungstechnik aus, um ihren mitunter gefahrvollen Einsätzen größtmögliche Aussicht auf Erfolg zu geben.“

Zur traditionellen Taufzeremonie waren auch die Seenotretter der Nachbarstationen Damp, Langballigau und Grömitz gekommen. Der Landrettungsdienst „Promedica“, die Freiwillige Feuerwehr Niesgrau-Koppelheck und die DLRG-Gliederung Gelting-Golsmaas-Hasselberg sind die lokalen Partner der DGzRS im Rettungsdienst und beteiligten sich am Programm rund um die Taufe. Der Shantychor Gelting rahmte die Veranstaltung musikalisch ein.

Turnusgemäße Modernisierung der Rettungsflotte

Die Freiwilligen-Station Gelting liegt an der Geltinger Bucht an der südöstlichen Küste der Flensburger Förde. Sie wurde 1981 gegründet. Bis 1999 gab es eine ständige Fährverbindung auf die nicht weit entfernte dänische Insel Fünen. Heute sind die Seenotretter der Station im Wesentlichen im Einsatz für Nebenerwerbsfischer, Angler und Wassersportler.

Bis Juni dieses Jahres haben die 24 freiwilligen Seenotretter um Vormann Thilo Heinze das Seegebiet mit der JENS FÜERSCHIPP gesichert und dabei in zahlreichen Einsätzen Menschen das Leben gerettet. Das neue Seenotrettungsboot URSULA DETTMANN ist eines von insgesamt rund einem Dutzend Neubauten des gleichen Typs – das letzte von ihnen soll 2020 seinen Dienst aufnehmen.

Die Eckdaten der neuen Seenotrettungsboote:

  • Länge über Alles: 10,1 Meter
  • Breite über Alles: 3,61 Meter
  • Tiefgang: 0,96 Meter
  • Verdrängung: 8 Tonnen
  • Geschwindigkeit: 18 Knoten (ca. 33 km/h)
  • Besatzung: Freiwillige
  • Antrieb: ein Propeller, 380 PS

Wie alle Einheiten der Seenotretter werden die neuen Seenotrettungsboote als Selbstaufrichter konstruiert und vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem gebaut. Der Bootstyp zeichnet sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzt er gute See-Eigenschaften, manövriert einwandfrei, übersteht heftige Grundstöße und ist in der Lage, dank des rundumlaufenden Fendersystems auch bei höheren Fahrtstufen und unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen.

Bei der Konstruktion wurden umfassende Sicherheitskriterien berücksichtigt. Die neuen Seenotrettungsboote werden mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer umfangreichen Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.

Red. mit DGZRS

 

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