Rotkreuz Friedberg 50: NAH-Feldversuch endet vor 50 Jahren

In den drei Sommerwochen des Jahres 1967 flogen der praktische Arzt Hans-Werner Feder und sein Pilot zu insgesamt 52 Einsätzen, in denen nach Auskunft Feders alleine in 25 Fällen der Einsatz des fliegenden Notarztes notfallmedizinisch indiziert war.

Genau heute vor 50 Jahren, am 1. September 1967, endete im mittelhessischen Neu-Anspach ein dreiwöchiger Feldversuch mit einem damals so genannten "Notarzt-Hubschrauber". Mit dem am 11. August 1967 begonnenen Modellprojekt wollten der in Ober-Mörlen lebende und als niedergelassener Arzt tätige Hans-Werner Feder, der ADAC-Gau Hessen und der Landesverband Hessen des Deutschen Roten Kreuzes den Nachweis erbringen, dass schnelle Hilfe aus der Luft unter Einsatz von Hubschraubern mehr Leben retten könne als durch den reinen Aufbau von bodengebundenen Notarztwagen-Standorten.

Der praktische Arzt Hans-Werner Feder charterte einen zweisitzigen Hubschrauber vom Typ Brantly B2 und flog zusammen mit dem Pilot und Fluglehrer Hartmannsberger in den drei Sommerwochen des Jahres 1967 insgesamt 52 Einsätze, in denen nach Auskunft Feders alleine in 25 Fällen der Einsatz des fliegenden Notarztes notfallmedizinisch indiziert war.

Viele Fehleinsätze

In rund ein Viertel aller Fälle wäre der rasche luftgebundene Transport wünschenswert gewesen, mangels Transportkapazitäten des kleinen Hubschraubers war dies jedoch nicht möglich. So blieb nur der rasche Abtransport der Schwerstverletzten durch bodengebundene Rettungsmittel. Zwölf Fehleinsätze und zehn Fälle, in denen der Einsatz eines Arztes nicht erforderlich waren, ergänzen die eindrucksvolle Statistik.

Die recht hohe Zahl an so genannten Fehleinsätzen ist auch heute noch zu beobachten - bodengebunden wie in der Luftrettung. Der heute 82-jährige Feder verbringt in der Dokumenta-Stadt Kassel seinen Lebensabend und verfolgt weiterhin aufmerksam das Geschehen rund um die Luftrettung.

Weitere Testversuche in Frankfurt am Main, Mainz, Nürnberg und München folgten 1968 und 1969. Ab dem 1. November 1970 flog mit "Christoph 1" in München dann der erste dauerhaft stationierte Rettungshubschrauber, dem bis heute (Stand: 31. August 2017) rund 80 Luftrettungsmittel folgten. Stationiert sind die Rettungs (RTH)- und Intensivtransporthubschrauber (ITH) heutzutage an Krankenhäusern und Kliniken der Maximalversorgung, an Flugplätzen/Verkehrslandeplätzen und Flughäfen sowie an speziell eingerichteten Luftrettungsstationen mit eigener Infrastruktur.

Etablierung von NEH scheitern

Versuche Jahre später, in Deutschland den Feder'schen "Notarzt-Hubschrauber" als - analog zum Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) so genannten - Notarzteinsatzhubschrauber (NEH) als offizielles (Luft-)Rettungsmittel zu etablieren, u. a. 1993 in Suhl (Thüringen) und 2011 in Hartenholm (Schleswig-Holstein), scheiterten nahezu sämtlich. Nur der am 1. September 1995 gestartete Probebetrieb eines NEH in Rostock wurde in den Regelbetrieb überführt und existiert aufgrund der besonderen geographischen Gegebenheiten vor Ort noch heute.

Über Feders Feldversuch wird das Fachmagazin FEUERWEHR -  RETTEN, LÖSCHEN, BERGEN in einer der nächsten Ausgaben ausführlich berichten.

Jörn Fries

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