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"Land unter" in Ostsachsen

27. September 2010

Hochwasserkatastrophe an Neiße und Mandau im Landkreis Görlitz

Anfang August brach die „Sintflut“ über Ostachsen herein. Die Hochwasserfluten kamen in einigen Regionen wie bei Zittau so plötzlich und mit solcher Urgewalt, dass die Feuerwehren mit Rettungsbooten und Drehleiter sowie der Bundesgrenzschutz mit Hubschraubern die in ihren Autos und Häusern eingeschlossenen Menschen retten mussten. Damm- und Deichbrüche führten zu gewaltigen Verwüstungen.
Im Interview fasst der Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des LK Görlitz, Hans Richter, die ersten Erfahrungen des Einsatzes zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An solchen Starkregen können sich selbst die ältesten Bewohner der Region nicht erinnern. Der August war gerade ein Woche alt, als die „Sintflut“ über Ostachsen in den Landkreisen Bautzen (mit der Spree) und Görlitz (mit der Neiße) hereinbrach. Am 6. August abends setzten die Regenfälle ein. Und als die Feuerwehren im Dreiländereck und den angrenzenden Gebieten am 7. August vormittags zu den ersten Einsätzen ausrückten, schüttete es immer noch, was der Himmel hergab. Der Wasservorhang war so dicht, dass die Sicht keine 50 m weit reichte. Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen wurden überschwemmt oder weggespült, Brücken sowie Dämme weggerissen und Gehöfte bzw. Ortsteile von den Wassermassen eingeschlossen.
Glücklich waren die Orte mit Feuerwehren/Wasserwehren. Mit Manpower und Technik wurde den Einwohnern geholfen und deren Habe geschützt, so gut es möglich war. Modernste mobile Hochwasserschutzanlagen wie auch die altbewährten Sandsackbarrieren wurden zur Deichverstärkung bzw. zum Schutz von Infrastruktur, Betrieben und Wohnhäusern errichtet. Dass dabei in der Region „nur Sachschäden“ auftraten und keine Menschenleben zu beklagen waren, ist in der ersten kritischen Phase den Kameraden der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren und beherzten Helfern zu verdanken. Bei der Wucht, mit der das Ereignis in einigen Gebieten tobte, war an schnelle Hilfe aus der Nachbarschaft nicht zu denken. Jede Wehr hatte im eigenen Ort mit den Wassermassen, zu kämpfen. Keller auszupumpen machte in dieser Einsatzphase wenig Sinn.
Boot mussten schon mit starken Motoren ausgerüstet sein, um sich damit in die Fluten auf den Straßen und Plätzen wagen zu können. Mit Ruderbooten war das lebensgefährlich. In Bertsdorf-Hörnitz wurde eine ältere Frau in ihrem Haus von den sehr schnell steigenden Fluten des Dorfbaches abgeschnitten. Ein Boot konnte bei der reißenden Strömung um das Haus nicht eingesetzt werden. Erst über die bis zum Maximum ausgefahrene DLK 23-12 der Zittauer Feuerwehr konnte die Frau gerettet werden. Aus dem direkt an der Neiße liegenden Zittauer Ortsteil Drausendorf mussten Einwohner mit Hubschraubern der Bundespolizei evakuiert werden. Hier hat der Neißedeich nicht gehalten. Ein gefährliches Manöver für die Hubschrauberpiloten bei schlechter Sicht und Starkregen. Sie flogen Rettungsaktionen auch noch in der Nacht bei totaler Dunkelheit im Verband – eine Maschine leuchtet das Haus an, die Besatzung einer zweiten Maschine sichert den Anflug und lotst den dritten Helikopter, der dann die Personen in Not mit der Winde aufnahm. Auf diese nicht ungefährliche Art mussten in zahlreichen Rettungsaktionen von den Wassermassen eingeschlossene Personen oder ganze Familien von den Dächern steckengebliebener Pkw, von Hausdächern oder gar von Zäunen gerettet werden. Darunter auch wieder Unvernünftige, die noch wenige Stunden vorher von den Feuerwehren zur Evakuierung ihrer Grundstücke aufgefordert worden waren, dies zu der Zeit jedoch noch ablehnten.

Wasser, Wasser, Wasser
Die Niederschlagsvorhersagen bewegten sich für die Oberlausitz bei 160 bis 180 l/m2, am Ende wurde von etwa 200 l/m2 gesprochen. Dabei verliefen die Ereignisse doch mit einigen Besonderheiten. Die Neiße durchquert den neuen Landkreis Görlitz auf seiner ganzen Länge von 125 Kilometern. Während deren Pegel im Südostzipfel, in Zittau und Umgebung, bereits im Laufe des Vormittags des 7. August bis Alarmstufe 4 stiegen (gegen 11.00 Uhr), feierten die Menschen nur knapp 40 Kilometer stromabwärts in Görlitz auf Plätzen, in Parks und auf Open-Air-Bühnen noch ausgelassen das 16. ViaThea Straßentheaterfestival.
Die Neiße (siehe Erläuterungen unten) ist nicht besonders bekannt gefährliche für Hochwasserfluten. Das Flüsschen Mandau (siehe Eräuterungen unten) dagegen kennen nur die Einheimischen. „Vor über 100 Jahren, genau 1897, stand Zittau-Ost im Bereich der Mündung der Mandau in die Neiße einmal unter Wasser, damals jedoch war das noch reines Wiesen- und Naturland ohne Wohnbebauung“, muss der Chef der Zittauer Feuerwehr Lothar Reichbodt die Historie bemühen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Flüsse reguliert und ausgebaut bzw. auch eingedeicht worden. Bei allen Hochwasserlagen nach schweren Sommergewittern etc. haben diese Dämme danach fast 100 Jahre bis zum 7. August 2010 gehalten.
Bereits früh am Morgen brachte die Neiße gewaltige Wassermassen aus dem Isergebirge bis zur deutsch-tschechischen Grenze im Dreiländereck. Auf tschechischer Seite am anderen Ufer waren bereits große Flächen überflutet. Die Pegelstände waren am Vormittag jedoch noch bei Alarmstufe 2 und die Deiche hielten. Für die Mandau war noch Alarmstufe 1 gemeldet (siehe Grafik).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Telefone in der Einsatzzentrale Zittau standen nicht mehr still. Pausenlos wurden überflutete Straßen, Keller und Tiefgaragen gemeldet. Über 250 Meldungen liefen in den nächsten 36 Stunden auf. Die Menschenrettung und Hochwasserabwehrmaßnahmen bzw. Hilfseinsätze bei drohenden Hauseinstürzen hatten Priorität vor den Pumpeneinsätzen. Eine Familie rief die Feuerwehr um Hilfe. Das Haus war vom Wasser eingeschlossen und die Fluten begannen auch im Erdgeschoss zu steigen. Die schwerkranke Großmutter lag in einem 200 kg schweren Spezialbett und musste vor dem Wasser ins erste Obergeschoss in Sicherheit gebracht werden. Trotz der reißenden Strömung kämpften die Kameraden sich mit einem Schlauchboot in einem gewagten Manöver bis zu der Familie durch. Gemeinsam gelang es dann die Kranke Frau eine Etage höher zu bringen.
Alle neun Abteilungen der FF Zittau waren bereits pausenlos im Einsatz. In der Hauptfeuerwache wurde das Lagezentrum für die Stadt gebildet: Der Oberbürgermeister, der Hauptamtsleiter der Leiter und der Stellv. Leiter der der Feuerwehr, der Bürgeramtsleiter und einige Sachbearbeiter bildeten den Krisenstab. Ein Hilfeersuchen der befreundeten Feuerwehren auf der tschechischen Seite musste vorerst abschlägig beantwortet werden.
Von früh 9.00 Uhr stiegen die Hochwasser-Alarmstufen der Neiße fast im Stundentakt an, bei „normalem“ Hochwasser vergehen 24 Stunden bis die nächste Alarmstufe ausgerufen werden muss. Abends gegen 22.00 Uhr wurde dann der höchste Pegel mit 4,84 erreicht, die Neiße war in knapp zehn Stunden um vier Meter angestiegen. Die Mandau zog mit „Verspätung“ nach. Mit den Hochwassermeldungen in den Medien kamen auch sofort die Hilfsangebote der Feuerwehren: Die Feuerwehr der Partnerstadt Villingen-Schwenningen (aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, BW) bot Hilfe an, die Feuerwehren aus dem sächsischen Grimma, aus Reichenbach und Oberoderwitz meldeten sich. Die Stadtwerke Zittau informierten über einen Wassereinbruch im Keller, der bei weiter steigendem Wasser die Stromversorgung der Stadt gefährden könnte. Der THW OV Zittau hatte sich inzwischen in seinem Stützpunkt einsatzbereit gemeldet. Die Helfer wurden mit einem leistungsfähigen Pumpenaggregat (50.000 l/min) zur Sicherung der Stadtwerke eingesetzt. Später, nach Ausrufung des Katastrophenalarms, verstärkten weitere THW-Kräfte - zwei Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen und eine Bergungsgruppe – aus Sachsen (Aue-Schwarzenberg) bzw. Thüringen (Rudolstadt) den Einsatz in Zittau. Dabei brachte das THW auch ein Superpumpenaggregat mit 770 m3/h Förderleistung zum Einsatz. Diese Pumpe wurde vor allem zum Schutz der FIT GmbH in Hirschfelde, zum Abpumpen des Wassers im Wohngebiet Zittau-Ost und im Tierpark Zittau, der vollständig unter Wasser stand.
Nach einer Kontrolle des am meisten gefährdetsten Wohngebietes in Zittau-Ost in den späten Vormittagsstunden des 7. August wurde beschlossen, den ca. 300 Bewohnern der an der tiefsten Stelle der Stadt liegenden Siedlung die Evakuierung vorzuschlagen. In den Kellern der unter dem Neißeniveau liegenden Häuser stand inzwischen das Grundwasser, und die Tendenz war steigend. Für die Bewohner bestand, solange der Neißedamm hielt, keine unmittelbare Gefahr. Bei weiter steigendem Wasserstand musste jedoch mit der Abschaltung der Energieversorgung, der Wasserversorgung etc. gerechnet werden. Wie lange das dauern würde, war ungewiss. Also mussten die Bewohner über einen unbestimmten Zeitraum mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Trotz eindringlicher Bitten und Aufforderungen, waren nur wenige Bewohner zur Evakuierung bereit. Obwohl der Neißedamm hielt und die Flutoberkante unterhalb der Dammkrone lag, führte der steigende Grundwasserspiegel und das zufließendes Regenwasser im Wohngebiet dazu, dass die Parkplätze und Flächen überflutet wurden. Feuerwehr und Oberbürgermeister drangen nochmals verstärkt auf die Evakuierung.
Inzwischen war der sächsische Innenminister Marcus Ulbig am späten Nachmittag des 7. August in Zittau eingetroffen. Während einer Begehung des Viertels in Zittau-Ost gegen 18. 00 Uhr brach plötzlich eine gewaltige Flutwelle über die Deichkrone der Neiße und flutete in Minuten das Wohngebiet. Wenige Minuten vorher war auf der tschechischen Seite bei Hartau (Orsteil von Zittau mit dem Grenzübergang nach Hradek) die Mauer des 14 Hektar großen Kristinasees (max. Tiefe 28 m) gebrochen. Die gewaltige Flutwelle des Tagebausees erreichte nach wenigen hundert Metern die Neiße. Beim Auftreffen auf das befestigte und bebaute Ufer in Hartau „schwappte“ die Welle bis zu fünf Meter die Wohnhäuser hoch und floss danach in Richtung Zittau ab.
Damit war das Schicksal von Zittau-Ost besiegelt. Die Städtische Kläranlage einschließlich aller in der Neißeniederung liegender Häuser und Betriebe wurde überflutet. Die Welle setzte sich bis Hirschfelde fort, wo u. a. auch die Produktionsstätten der FIT GmbH überschwemmt wurden.

Unwetter über dem Landkreis
Im Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises in Niesky – geografisch etwa in der Mitte des Kreises gelegen – analysierten Sachgebietsleiterin Katastrophenschutz Ingelore Ruge und der Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen, Hans Richter, am 7. August gegen 10.00 Uhr die Situation. Im Lagezentrum (IuK-Zentrale, Informations- und Kommunikationszentrale) erwogen sie die Bildung des „Stabs für außergewöhnliche Ereignisse (SAE)“, der bei allen größeren Ereignissen unterhalb der Katastrophenschwelle seine Arbeit aufnimmt (siehe Erläuterungen unten). Eine Kontrollfahrt sollte Aufschluss über die weiteren Maßnahmen bringen. Die Situation gegen Mittag in Zittau zeigte, dass der Neißepegel (siehe Grafik) nach der Alarmstufe 4 zwar wieder etwas gesunken war, Entspannung aber nicht in Sicht war. Schon auf der Rückfahrt zum Lagezentrum wurden der Kreisbrandmeister Henry Kossack, die Stellv. Kreisbrandmeister und die ständigen Mitarbeiter des Stabes SAE alarmiert. Noch während der Stab sich bildete und die Arbeit aufnahm, rief Landrat Bernd Lange gegen 16.00 Uhr den Katastrophenalarm für die Region im Dreiländereck um Zittau bis Hagenwerder vor den Toren der Stadt Görlitz aus (siehe Kasten Katastrophenalarm). So wie die Flutwelle sich fortsetzte, erfolgte auch die Ausrufung des Katastrophenalarms für die einzelnen Regionen des Kreises.
Noch versammelten sich die Menschen in der binationalen Stadt auf der Neißebrücke zwischen Görlitz und Zgorzelece, um sich das „Flut-Schauspiel“ nicht entgehen zu lassen. Vom natürlichen Gefahreninstinkt war weit und breit nichts zu bemerken. Später wiederholte sich das Schauspiel noch krasser weitere rund 60 Kilometer stromabwärts bei Bad Muskau. Dabei musste sogar die Bundespolizei eingreifen, um Platz für die Sicherungsarbeiten der Feuerwehren für die Stadt und den Fürst-Pückler-Park zu schaffen. Zahllose Gaffer wollten hautnah miterleben, wie die Stadt oder zumindest das Weltkulturerbe-Objekt Fürst-Pückler-Park absäuft. Von der ersten Alarmierung früh 10.00 Uhr im Lagezentrum des Landkreises bis zur Auslösung des ersten Katastrophenalarms 16.00 Uhr verging für eine Hochwasserlage sehr wenig Zeit. Die beiden großen Neißehochwasser der Geschichte im Juli 1958 und im Juli 1961 hatten nicht eine solche Dynamik aufzuweisen. Den Städten Görlitz und noch mehr Bad Muskau blieb trotz dieser enormen Dynamik Zeit, sich auf die Ereignisse einzustellen. Die Erhöhung der Alarmstufen der Neiße fast im Stundentakt (siehe Grafik) von Alarmstufe 1 (Melderdienst) über die Alarmstufen 2 (Kontrolldienst) und 3 (Wachdienst) bis zur Hochwasserstufe 4 ist bisher auch einzigartig. In Görlitz wurde der Pegelstand der Neiße am 8. August früh bei 7,07 Meter (Alarmstufe 4 wird bei 5,60 m ausgelöst) gemessen, das war der höchste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 1912.

Der Staudamm bricht
Die Deiche an Neiße, Mandau und anderen gefährdeten Bächen wurden im Zuge der Auswertung des großen Elbehochwassers 2002 systematisch auch in dieser Region stabilisiert oder neu gebaut. Auch die Neiße-Deiche am Kloster St. Marienthal bei Ostritz – auf etwa der halben Strecke zwischen Zittau und Görlitz – waren gerade modernisiert worden und für die Bereiche, die nicht eingedämmt werden konnten waren moderne mobile Schutzanlagen beschafft worden. Während sich die Neiße-Hochwasserwelle aus dem Dreiländereck in Richtung Görlitz wälzte, waren alle Schutzvorkehrungen von den Wasser-/Feuerwehren getroffen worden. Die Flut bewegte sich dann bis in die frühen Abendstunden auch unterhalb der Deichkronen und der Oberkanten der Spundwände. Dass diese wenig später von gewaltigen Wassermassen doch überspült wurden, war eine weitere bittere Geschichte. Durch den Bruch des Witka-Staudamms, gerade gegenüber von Hagenwerder auf polnischer Seite, wurden nach 19.00 Uhr zusätzliche gewaltige Wassermassen in den Fluss gedrückt. Der massive Auf- und Rückstau des Neißehochwassers führte dazu, dass die Schutzeinrichtungen der Stadt Ostritz und des Klosters rund fünf Kilometer aufwärts schlagartig überflutet wurden und die Gebiete hinter den Deichen teilweise metertief unter Wasser setzten. Dabei schoss ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wassermassen des Staudamms bei Hagenwerder über die Verbindungsstraße B 99 sowie die Bahntrasse Zittau und Görlitz hinweg. Der Bahndamm samt Gleisanlagen wurde dabei von der Wucht des Wassers völlig zerstört, bevor es sich in den nur rund 150 m von der Neiße entfernten Tagebausee Berzdorf ergoss. Dessen Wasserspiegel hob sich in der nächsten Stunde um fast einen Meter. Ohne diese „Entlastung“ wäre sowohl das reichlich fünf Kilometer flussabwärts liegende Görlitz als auch Ostritz, Neiße aufwärts, von der Flutwelle noch härter getroffen worden. Der Pegel der Neiße erhöhte sich nach dem Dammbruch trotz Hochwasserstand und Ausuferung nochmals innerhalb von sehr kurzer Zeit um rund einen Meter.

Der Katastrophenalarm
So wie die Flutwelle sich im Kreis ausbreitete erfolgte auch die Ausrufung des Katastrophenalarms für die einzelnen Regionen des Kreises abgestuft (siehe Erläuterungen "Katastrophenalarm").
In den großen Städten Görlitz und Zittau wie auch in Bad Muskau arbeiteten die Leitstellen der Feuerwehren die Einsätze in ihren Territorien eigenverantwortlich ab. Wurde zusätzliches Material wie Hochleistungspumpen des THW, Sandsäcke oder Versorgungskapazitäten für die zahllosen Helfer im Einsatz benötigt, gingen die Anfragen an dem im Lagezentrum in Niesky gebildeten Katastrophenschutzstab. Hier wurden die Angaben gebündelt und an die Landesdirektion in Dresden weitergegeben. Niesky stellte die Anforderungen, woher die Kräfte und Mittel kamen und von welcher Organisation, dass wurde in Dresden geregelt. Dringend benötigt wurden u. a. zwei Löschzüge Wasser, leistungsfähige Pumpen (THW) zum Schutz der Wasser- bzw. Klärwerke, Rettungs- bzw. Mehrzweckboote, zwei Sanitätszüge zur Evakuierung von Krankenhäusern, Heimen und Wohngebieten sowie zwei Versorgungszüge. Weitere materielle Hilfe konnte vom Landesreserve-Lager, z. B Sandsäcke, angefordert werden. Die Anforderung von Hubschraubern zur Menschenrettung erfolgte über den Fachberater Bundespolizei, die Anforderungen von schwerer Bergetechnik oder Manpower zum Sandsackbefüllen vom Bund über den Fachberater des Kreisverbindungskommandos bzw. direkt, da der Standort in unmittelbarer Nähe liegt und man schon über Jahre gut zusammenarbeitet. Das wirkte sich besonders bei einer gefährliche Situation bei Bad Muskau aus. Ein stählerner Brückträger war von den Fluten mitgerissen worden. Er drohte sich an weiteren Hindernissen im Flussbett zu verkeilen und einen gefährlichen Stau von Treibgut zu verursachen. Schnell war die Bundeswehr mit einem Bergepanzer vor Ort und beseitigte das sperrige Hindernis aus dem Fluss. Die Fachberater Energieversorgung und anderer Ressorts waren permanent im Stab vor Ort. Eine Erfahrung vergangener Großeinsätze umsetzend, arbeitete im Stab permanent auch ein Jurist als Rechtsberater mit.
Zur Unterstützung der Bürgermeister in den am schwersten betroffenen Städten ohne Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften oder Berufsfeuerwehren wurden erfahrene Feuerwehrführungskräfte (Stellv. Kreisbrandmeister) eingesetzt. Sie unterstützten auch die Koordinierung der Einsatzkräfte vor Ort und die Anforderungen von Hilfe über den Katastrophenstab.
Da nicht der gesamte Landkreis von der Katastrophe betroffen war, konnten über den Stab auch eigene Reserven gebildet werden. Provisorisch wurden Einheiten zur Wasserwehr – je Einheit drei Löschgruppenfahrzeuge (mind. LF 8), ein Führungsfahrzeug und ein MTM - vom Kreisbrandmeister zusammengestellt und in Niesky am Sitz des Stabes stationiert. Eine Besonderheit dieses Hochwassers war der Arbeit im Stab „hilfreich“. Die Flutwelle stieg zwar extrem schnell vor Ort an, sie bewegte sich jedoch nicht so schnell vorwärts. Vom Zittau im Südosten bis Bad Muskau im Nordosten des Landkreises braucht die Flutwelle fast 48 Stunden verlor in diesem großen Zeitraum jedoch kaum an Kraft. Und darin lag auch eine besondere Gefahr. Es war schwer, die Menschen in den gefährdeten Häusern die Neiße abwärts von der empfohlenen Evakuierung zu überzeugen. Sie hörten zwar von den enormen Schäden Fluss aufwärts, glaubten jedoch nicht, angesichts des bis dahin nur wenig angestiegenen Flusses vor der eigenen Haustür, dass es auch sie so schlimm treffen könnte. Am gefährlichsten wurde es in den Gebieten, die von der Flutwelle nachts überrollt wurden. Manche gefährliche Aktion der Retter hätte durch etwas mehr Einsicht im Vorfeld, vermieden werden können.
Über 1.000 Menschen – die genaue Erfassung der Zahlen und Schäden dauert noch an - wurden im Landkreis evakuiert. Neben der Evakuierung einzelner Häuser oder Gehöfte in den Dörfern betraf das vor allem das Wohngebiet in Zittau-Ost und im Ortsteil Drausendorf, die Görlitzer Ortsteile Hagenwerder und Weinhübel sowie eine Klinik in Rotheburg/O.L. und ein Heim für Behinderte mit über 350 Insassen in Klein Priebus. Hier wurden zur Evakuierung das qualifizierte Personal der Katschutz-Züge Sanität bzw. Betreuung eingesetzt. Der Evakuierungsstress konnte durch die Unterbringung der Patienten im Internat einer Polizeifachschule bzw. in einer nahen Kaserne abgemildert werden.
Die genaue Erfassung aller Schäden und Einsatzkennziffern ist noch nicht abgeschlossen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass knapp 2.000 Feuerwehrleute, THW-Helfer und Rettungsdienstkräfte in den Hochwassereinsatz am zweiten Augustwochenende und die in den schweren Tagen danach im Einsatz waren und noch größeres Leid und Schäden von den Bewohnern in den Flussgebieten des Landkreises Görlitz abwenden halfen.
L.Z.
 

Hans Richter

Im Interview: 
Hans Richter

Amtsleiter
Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des LK Görlitz

Wie haben Sie die ersten Stunden der Flutkatastrophe erlebt?
Hans Richter: Ab Freitagabend am 6. August setzte ein in unserer Region noch nie dagewesener Starkregen ein. Bis zum Sonnabend wurden Niederschlagsmengen von 200 Liter pro Quadratmeter erreicht. Anfänglich nahm der Boden noch die Regenwassermengen auf. Am Sonnabendmorgen war das Aufnahmevermögen der Erde jedoch ausgereizt.
Wie die Wassermassen vom Himmel fielen, liefen sie in Gräben, Flüssen und Senken zusammen und schossen besonders in den Hanglagen des Zittauer Gebirges aus den Wäldern wie auch von den Feldern und Wiesen in die Täler. Innerhalb weniger Minuten schwollen Gräben zu Bächen und Bäche zu reißenden Flüssen an. Dorfstraßen und Plätze wurden dermaßen schnell überflutet, dass die Bewohner nicht mehr flüchten konnten und in ihren Häusern oder in ihren Fahrzeugen eingeschlossen wurden. Die in den Dörfern alarmierten Freiwilligen Feuerwehren mussten zu allererst die bedrohten und eingeschlossenen Menschen versorgen und retten. Nachbarschaftshilfe war nicht möglich, da jede Wehr in ihrem Territorium zu tun hatte, und die Orte zu diesem Zeitpunkt teils auch isoliert und durch überschwemmte und abgerutschte Straßen kaum oder nur mit Spezialfahrzeugen erreichbar waren. In diesen ersten Stunden bis zur Ausrufung der Katastrophe um 16.00 Uhr waren die Katastrophenhelfer, in der Mehrzahl aus den Freiwilligen Feuerwehren, auf sich selbst gestellt. Ihnen ist es zum Großteil zu verdanken, dass keine Menschenleben zu beklagen sind.

Gab es besonders gefährdete Objekte oder Territorien?
Hans Richter: Neben der extremen Hochwasserlage durch die Flüsse Mandau und Neiße in Zittau war besonders auch die Ortslage von Drausendorf, direkt an der deutsch-polnischen Grenze in der Neißeaue, zwischen Hirschfelde und Zittau, gefährdet. Den Ort mit rund 300 Einwohnern schützten auf der einen Seite die Neißedeiche. Nur wenige dutzend Meter hinter der Grenze erstreckt sich der ausgedehnte Tagebau Turow, dessen Sohle etwa 250 Meter unterhalb des Neißeniveaus liegt. Eine einsetzende Hangrutschung hätte katastrophal für den Ort ausgehen können. Die Drausendorfer Einwohner wurden dann auch, nachdem auch ein Damm gebrochen war, vollständig evakuiert.
Und womit niemand gerechnet hat, und was alle fundierten Hochwasservorhersagen völlig in den Schatten stellte, war der Bruch des Witka-Staudamms gegenüber der Ortschaft Hagenwerder/Görlitz. Die gewaltige Flutwelle ergoss sich mit gewaltigen Kräften in die Neißeaue zwischen Görlitz und Zittau. Die Flutwelle staute das Hochwasser der Neiße flussaufwärts soweit auf, dass alle Dämme und Spundwände, die bis dahin vor allem in Ostritz und dem Kloster St. Marienthal gehalten hatten, überspült wurden. Der Neißespiegel stieg bei Görlitz in sehr kurzer Zeit um einen Meter an. Etwas Entlastung brachte, dass ein Teil der Wassermassen des Stausees quer über das Neißetal bei Hagenwerder hinausfluteten und in den Tagebausee Berzdorf „schwappten“. Dabei stieg der Wasserspiegel des rund 850 ha großen Sees binnen einer Stunde um ebenfalls einen Meter an.
Im Laufe der nächsten 36 Stunden bildeten sich weitere Schwerpunkte in Görlitz in der Neißeniederung flussabwärts von Görlitz und weiter in Bad Muskau aus.

Wird die Region häufig von Hochwassersituationen betroffen?
Hans Richter: Hochwasserkatastrophen an der Neiße sind eigentlich sehr selten. Hochwasserlagen nach anhaltenden Regenfällen, ausgiebigen Sommergewittern oder plötzlichen Schneeschmelzen, die jedoch nie diese Dimensionen wie in diesem Jahr erreichten, treten jedoch mehr oder weniger regelmäßig auf. Entsprechend genügten auch die Dämme und Deiche in großen Teilen den Anforderungen. Außerdem sind in Auswertung der Elbe-Hochwasserkatastrophe 2002 auch an der Neiße Deichsanierungen und -neuanlagen erfolgt. Die Arbeiten an den Schutzanlagen bei Drausendorf sowie Ostritz und eben auch beim Kloster St. Marienthal waren gerade in diesem Jahr beendet worden oder standen kurz vor dem Abschluss.
Und auch die Feuerwehren und Wasserwehren, oftmals in den Gemeinden in Personalunion, waren im Rahmen der Hochwasservorsorge vorbereitet. Dass die Ereignisse jedoch so massiv eintraten und fast im Stundentakt die nächste höhere Hochwasseralarmstufe ausgerufen werden musste, übertraf alles bisher Dagewesene und auch alle Prognosen. Die erste Aufgabe der Feuerwehren hieß damit Menschenrettung, Menschenrettung, Menschenrettung ….
Alles andere musste erst einmal warten. Dass dabei auch außerhalb der eigentlichen Fluss- und Bachläufe Strömungsgeschwindigkeiten auftraten, dass nur größer Schlauchboote mit starken Außenbordmotoren überhaupt eine Chance hatten, voranzukommen, gehört zu den extremen Besonderheiten der Situation.

Waren die Feuerwehren und Stäbe gut vorbereitet?

Hans Richter: Der Katastropheneinsatz auf der gesamten Länge des Kreises von 125 Kilometern wurde zum weitaus überwiegenden Teil von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten und Helfern bewältigt. Unterstützung mit Spezialtechnik kam von der Bundespolizei, die mit Hubschraubern viele bedrohte Menschen aus Drausendorf und anderen abgeschnittenen Ortschaften bzw. auch von den Dächern eingeschlossener Personenkraftwagen retteten. Schnell und unproblematisch lief auch die Hilfe durch die Bundeswehr, das THW und die Rettungsdienste an. Wobei das Gros der Rettungs- und Betreuungszüge der Rettungsdienstorganisationen bzw. der THW-Helfer ja ebenfalls Ehrenamtliche stellen.
Die Kreisreform und die Bildung des Kreises Görlitz aus dem ehemaligen Niederschlesischen Oberlausitzkreis, der kreisfreien Stadt Görlitz und dem Landkreis Löbau-Zittau liegen jetzt gerade zwei Jahre zurück. Das hieß auch, neue Strukturen schaffen und neue Mitarbeiter mit neuen Aufgaben in ganz anderen Dimensionen zusammenzubringen. Und es war die erste Katastrophe in diesem Ausmaß, die den gesamten Landkreis umfasste. Mit diesem Hintergrund klappte nach der anfänglichen Chaosphase die Zusammenarbeit im Katastrophenstab und mit den örtlichen Stäben in den Feuerwehren in Zittau, Löbau, Görlitz und Bad Muskau wirklich hervorragend.

Wie arbeitete der Katastrophenstab des Kreises?
Hans Richter: Die Einsatzleitungen mit den Kreisbrandmeistern und Leitern der Feuerwehren koordinierten die Einsätze der Feuerwehren und später zugeordneten Helfer in ihren Territorien eigenständig. Denn die einzelnen Leitstellen in den ehemaligen Landkreisen arbeiten noch mit ihren eigenen Funkfrequenzen und auch in unterschiedlichen Funknetzen.
Der Katastrophenschutzstab des Landkreises in der Lagezentrale in Niesky koordinierte die wenigen kreislichen Reserven und vor allem die Heranführung von Hilfe aus allen Landesteilen und auch bundesweit (THW). Am Feuerwehrtechnischem Zentrum des Kreises in Niesky wurde ein Meldekopf gebildet, wo alle nachalarmierten und nachgeforderten Einheiten sich meldeten und von wo sie dann in ihre Einsatzgebiete geführt wurden. Die Lage von Niesky etwa in der Mitte des Landkreises und außerhalb des unmittelbaren Hochwassergebietes bot sich dafür an. Außerdem konnte so die überkreisliche Hilfe über die Autobahn A 4 schnell und problemlos herangeführt werden.
Etwas schwerfälliger dagegen lief die Zusammenarbeit mit den Dienststellen jenseits der Grenze. Bedingt durch die zentralen Strukturen wurden alle Maßnahmen erst auf dem Dienstweg über die Ministerien in Warschau abgestimmt. Auf dem „kleinen Dienstweg“ direkt zwischen den Wehren beiderseits der Grenze funktionierte der Austausch. Wobei in den ersten Stunden jeder auf seinem Territorium zu tun hatte, gegenseitige Hilfe faktisch unmöglich war.
Eine der wichtigsten Lehren aus dem Katastropheneinsatz ist die, dass hier im Dreiländereck Strukturen und Kommunikationswege gebraucht werden, die eine rechtzeitige gegenseitige Information und den Lageaustausch ermöglichen.
Alles in allem muss man jedoch sagen, dass die Zusammenarbeit in diesem Katastropheneinsatz mit allen Fachberatern im Stab und mit allen anderen Beteiligten sehr gut, auf Augenhöhe und sehr kameradschaftlich verlief.

Welche ersten Schlussfolgerungen können aus dem Einsatz gezogen werden?
Hans Richter: Die Praxis der Alarmierung der Bevölkerung und der Verantwortlichen in den Rathäusern und Gemeindeverwaltungen ist nach diesem Großeinsatz gründlich zu überdenken. In den großen Städten der Region wie Görlitz, Zittau, Löbau und Weißwasser gibt es keine Sirenen mehr. Und in den drei ehemaligen Landkreisen konnten die territorial gewachsenen Unterschiede in den letzten beiden Jahren noch nicht angeglichen werden. In manchen Regionen waren die Feuerwehren durch die ganz plötzlich einsetzenden Fluten sogar „schneller“ im Einsatz, als die Leitstellen alarmieren konnten.
Besonders jedoch die Alarmierung der Bürgermeister über die Ausrufung der Katastrophe am 8. August– einem Sonnabend - um 16.00 Uhr per E-Mail war nicht optimal. Wobei das Tempo der Berichterstattung der lokalen Sender über die Hochwasserlage eine gewisse Eigendynamik entwickelte. Das trug zum einen wesentlich zur Information der Bevölkerung bei, förderte zum anderen jedoch auch den „Katastrophentourismus“ in den Regionen wie Bad Muskau, die erst mit Verzögerung von der Flut erreicht wurden.
Im Großen und Ganzen kann man jetzt, knapp sieben Wochen nach erfolgreicher Meisterung der Katastrophenlage, schon erste Schlussfolgerungen ziehen. Außer dem bereits angesprochenen Thema Alarmierung sind besonders wichtig:

1. Die Auswertung des Ereignisses mit allen Verantwortlichen aus den Städten und Gemeinden sowie den Vertretern aller am Einsatz beteiligten Organisationen und Institutionen.

2. Die Kommunikation im Dreiländereck über die Ländergrenzen hinweg muss technisch und organisatorisch den Erfordernissen einer Katastrophenlage angepasst werden.

3. Die Alarm- und Einsatzdokumente müssen zwischen den Städten- und Gemeinden und dem Landkreis bis hin in die Ministerien abgestimmt werden.

4. Es muss ein einheitliches Führungsverständnis erreicht und danach gehandelt werden. Das heißt z. B. im Fall einer Katastrophe sind nicht nur die Feuerwehrhäuser, sondern auch die Rathäuser und Gemeindeverwaltungen zu besetzen.

5. Die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden müssen für das Handeln in solchen außergewöhnlichen Situationen noch besser qualifiziert werden.

6. Wichtig ist ebenfalls, dass die Bürger für ihre Eigenverantwortung in der Katastrophenvorsorge viel mehr sensibilisiert werden müssen.

7. Und nicht zum Schluss ist das Ehrenamt in seiner Attraktivität für den Bürger noch weiter zu stärken. Trugen doch die Hauptlast des Einsatzes wieder die Schultern der Ehrenamtlichen. Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren waren die ersten an den Einsatzstellen und die letzte, die diese verließen.

Herr Richter, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch!


ERLÄUTERUNGEN

Stab für außergewöhnliche Ereignisse SAE
Der SAE wird im Landkreis dann gebildet, wenn sich besondere Lagen anbahnen – Hochwasser, Waldbrände etc. Geführt wird der SAE von einer „Entscheiddungsbefugten Führungskraft“, also dem Landrat bzw. einem Beigeordneten. Ständige Mitglieder sind der Kreisbrandmeister und Vertreter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, des Hauptamtes, der Finanzverwaltung sowie der Polizei/Bundespolizei. Dazu kommen entsprechend der Lage Vertreter der Kreisforstbehörde (bei Waldbrand), des Umweltamtes bei Hochwasser oder des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes (bei Vogelgrippe etc.). Der Stab trifft sich im Stabs-Lagezentrum (IuK-Zentrale, Informations- und Kommunikationszentrale) des Landkreises im Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in Niesky.
Der Stab ist die Vorstufe des bei Ausweitung eines Ereignisses zur Katastrophe einzuberufenden Katastrophenschutz- und Verwaltungsstabes. Die Arbeit geht dabei nahtlos von einem auf dem anderen Stab über, die Mitarbeiter des SAE gehen mit ihren Funktionen in den Kat-Stab auf.
Das bringt viele Synergieeffekte, vor allem zu Beginn der Arbeit des Kat.-Stabes. Ihm liegen bereits sehr viele qualifiziert Vorinformationen für die schnelle Entscheidungsfindung vor.

Katastrophenalarm
Im Freistaat Sachsen ist gesetzlich geregelt, dass die Ausrufung des Katastrophenalarms im Hochwasserfall bei Pegelständen der Alarmstufe 3 mit Tendenz zur Alarmstufe 4 erfolgt. Am 7. August wurden die Bürgermeister der Orte des LK Görlitz per E-Mail über die Auslösung des Katastrophenalarms durch den Landrat informiert. Die Bevölkerung wurde danach, soweit sie nicht aufgrund der verzögert auftretende Flutwelle über die Medien informiert war, auch über Lautsprecherwagen der Polizei und der Feuerwehren gewarnt.
Katastrophenalarmauslösung:
7. August
16.00 Uhr für Zittau, das Dreiländereck bis Hagenwerder und die Umgebung von Löbau,
20.00 Uhr für die Stadt Görlitz und die umliegenden Orte,
22.00 Uhr für die Stadt Bad Muskau und die umliegenden Orte.
Aufhebung Katastrophenalarm:
9. August 17.00 Uhr für Zittau und Dreiländereck einschließlich der Region um Löbau;
10. August 12.00 Uhr für Görlitz bis Bad Muskau

Fotos: LRA Görlitz, privat, Nitsche

Gute Arbeit
„Das Zusammenspiel mit allen, mit der Polizei, mit der Bundespolizei, mit dem THW, mit den Freiwilligen Feuerwehren, mit den Leitstellen in den Berufsfeuerwehren und den Rettungsdiensten und auch das Zusammenwirken im und mit dem Stab hat sehr gut geklappt. Die drei Gebietskörperschaften mussten in den letzten beiden Jahren nach der Kreisgebietsreform ja erst zusammenwachsen. Dafür hat das personelle Zusammenwirken Stab gut harmoniert!“
Ingelore Ruge, Sachgebietsleiterin Katastrophenschutz beim Landkreis Görlitz                                

                                         
Kameradschaftliche Zusammenarbeit
  
„Die Zusammenarbeit mit unseren einheimischen und den nachgeforderten THW-Helfern wie auch mit allen zugeordneten Rettungs- und Betreuungskräften lief reibungslos. Die komplizierten Einsatzaufgaben wurden in enger Zusammenarbeit mit unseren Feuerwehrleuten oder eigenverantwortlich sehr gut abgearbeitet!“

Lothar Reichbodt, Leiter der Feuerwehr Zittau

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