Umweltkatastrophe im Rückblick: Das Elbehochwasser 2002

2022_10

Mehr aktuelle Beiträge und Einsatzberichte finden Sie in:
FEUERWEHR | RETTEN – LÖSCHEN – BERGEN
Deutschlands große Feuerwehrzeitschrift
JETZT LESER WERDEN

Das Elbehochwasser 2002 galt bis 2021 als größte Umweltkatastrophe der Bundesrepublik. Am stärksten betroffen war der Freistaat Sachsen. 

Hochwasser der Elbe: Hier in Magdeburg hat der Damm aus Sandsäcken den Wassermassen bis auf geringe Mengen Sickerwasser standgehalten. Foto: Stefan Wagner

Eine der ersten großen Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte Deutschlands findet 2002 an der Elbe statt. Über mehrere Tage hinweg fallen täglich bis zu 312 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und hinterlassen einen Schaden von circa 11,6 Milliarden Euro. Am schlimmsten vom Elbehochwasser betroffen war Sachsen. Dort starben 21 Menschen.

Elbehochwasser in Sachsen

In vielen Teilen Sachsens liefen Staustufen über. Der Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse stiegen schnell an. In Dresden, der Landeshauptstadt des Freistaats, mussten weite Teile der Stadt evakuiert werden. Während die Universitätsklinik evakuiert wurde, standen die Semperoper, der Landtag und auch die Gemäldegalerie im Zwinger unter Wasser. Das Hochwasser trat dabei neben der Elbe vor allem an der Mulde (südöstlich von Leipzig) und an dem Gebirgsflüssen des Osterzgebirges auf.

Hochwasserreport aus Sachsen: Hier wird deutlich, dass die Schäden hauptsächlich die Kommunen und Privatpersonen getroffen haben. Quelle: Managementreport, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie

Die Niederschläge, die das Hochwasser auslösten, waren sowohl in Hinblick auf die räumliche Ausdehnung als auch auf die Dauer und Intensität selten. So erhielten viele Teile des Osterzgebirges das Doppelte bis Dreifache des Augustniederschlags. Die Böden, geologisch und aufgrund der Vorfeuchte des Niederschlags wenig aufnahmefähig, ließen 60% bis 90% des Niederschlags innerhalb kürzester Zeit abfließen. Sachsen war dabei bereits vor 2002 häufig von Hochwassern betroffen. 2002 waren jedoch alle Hochwassergebiete gleich stark betroffen, was das Ausmaß der Umweltkatastrophe vergrößerte.

Die Flutwelle erreicht den Norden

Die Flutwelle bahnte sich an: Geschäftsinhaber/-innen bereiteten sich wie hier in Hitzacker auf den Ernstfall vor. Foto: Samtgemeinde Elbtalaue

Die Flutwelle breitete sich von Sachsen über Sachsen-Anhalt in Richtung Norden aus. Anwohner/-innen bereiteten sich so auf den Ernstfall vor. Häuser wurden mit Holzplatten geschützt, Türen und Fenster zugemauert und Wertgegenstände in höhere Etagen der Häuser gebracht. Selbstverständlich waren auch die Feuerwehr, Bundeswehr und verschiedene Hilfsorganisationen in Alarmbereitschaft.

Überörtliche Hilfe: Führungskräfte der Berliner Feuerwehr in Magdeburg bei einer Einsatzbesprechung. Foto: Stefan Wagner

Am 18. August 2002 lösten die Landkreise Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein), Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern), Lüneburg und Lüchow-Dannenberg (beides Niedersachsen) den Katastrophenalarm aus. Schnell wurden nun die Deiche mit Folien und Sandsäcken verstärkt. Die Bewohner/-innen entlang der Elbe wurden vorsorglich evakuiert. Der Katastrophenalarm wurden aufgrund eines schnell abfallenden Pegels bereits am 27. August 2002 aufgehoben.

Finanzielle Hilfe nach Elbehochwasser

Flutkatastrophe in Hitzacker: Die historische Altstadt wurde nicht von einem Damm geschützt. Foto: Samtgemeinde Elbtalaue

Bis zur Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 gilt das Elbehochwasser 2002 als teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Gesamtschaden beläuft sich auf knapp 11,6 Milliarden Euro – der Schaden in Sachsen macht mit 8,6 Milliarden Euro dabei mit Abstand den größten Teil aus. Zehn Milliarden Euro Soforthilfe bekamen die betroffenen Gebiete von einzelnen Gemeinden, Ländern, dem Bund und der EU. Zudem wurde die zweite Stufe der Steuerreform von 2003 auf 2004  verschoben.

Ursache des Elbehochwassers

Verstärkung der Dämme: Hierfür befüllten Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr BigBags. Foto: Stefan Wagner

Viele Umweltexperten und -expertinnen und Politiker/-innen sahen und sehen das Eingreifen in die Natur als Ursache. Begradigte Flussläufe, versiegelte Flächen, Bodenerosion und die Abholzung von Wäldern begünstigen laut ihnen Naturkatastrophen. Deshalb wurde nach dem Hochwasser der Elbe in den Bau und die Erneuerung von Deichen, die 2002 häufig noch aus DDR-Zeiten stammten, und Meldesysteme investiert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zog jedoch bereits 2012 nach zehn Jahren eine kritische Bilanz, die einen fortwährenden Mangel im Hochwasserschutz aufzeigt. Dies bestätigte sich auch in der Flutkatastrophe im Ahrtal. Offen bleibt hier die Frage, wie ein besseres System zu Warnung und Umgang mit Naturkatastrophen die Schäden hätte eingrenzen können.

Verstärkung des Bahndamms: Diese Vorkehrungen wurden in Magdeburg zusätzlich getroffen. Foto: Stefan Wagner

Auslöser für mittlerweile fast jährliche Wetterextreme und Überschwemmungen ist der Klimawandel. Die deutsche Versicherungswirtschaft erwartet weitere Zunahmen an Katastrophenschäden in den nächsten Jahren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte 2018 eine Klimastudie, die klar benennt, dass sich die Schäden durch Hochwasser bis Ende des 21. Jahrhunderts je nach Klimapolitik verdoppeln oder verdreifachen werden.

 

NDR, Managementreport Sachsen, ce

Mehr Infos

Sie wollen regelmäßig aktuelle Einsatzberichte, Techniknews und Fahrzeuginfos der FEUERWEHR erhalten? Dann melden Sie sich jetzt für unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter an!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.