Wiederbelebung nach Herzstillstand: Herzdruckmassage ohne Atemspende

Jährlich erleiden rund 70.000 Menschen in Deutschland einen plötzlichen Herzstillstand. Davon sterben etwa 65.000, weil medizinische Laien als Ersthelfer agieren, die nur unzureichend reanimieren oder aus Angst vor Fehlern sogar gar nichts machen.

Ein Herzstillstand führt in nur wenigen Minuten zum Tod, wenn nicht unverzüglich mit der Wiederbelebung durch Herzdruckmassage begonnen wird.

„Leider trauen sich zu viele Laien-Ersthelfer nicht mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen, weil ihnen die Regeln zu kompliziert sind. Oder sie haben Angst, sich dabei mit einer Viruserkrankung zu infizieren, weil sie die Herzdruckmassage zwingend in Kombination mit der Mund-zu-Mund-Beatmung sehen, was aber keineswegs der Fall ist“, beklagt der Notfallmediziner und Kardiologe Prof. Dr. med. Dietrich Andresen vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung.

Kontinuierliche Herzdruckmassage steigert Überlebenschancen

Die Herzdruckmassage ist leicht erlernbar und überlebenswichtig. Bei einem Herzstillstand ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um 10 Prozent. Mindestens acht bis zehn Minuten benötigen Rettungsdienste zum Unfallort.

 „Diese Zeit muss durch die Herzdruckmassage von Laien überbrückt werden. Nur so hat der Patient eine reelle Überlebenschance. Dafür muss aber die Wiederbelebung so unkompliziert und niederschwellig wie nur möglich sein: mit der alleinigen Herzdruckmassage – ohne zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung“, betont Prof. Andresen. Studien belegen, dass zugunsten einer alleinigen kontinuierlichen Herzdruckmassage auf die zusätzliche Atemspende verzichtet werden kann. Die Deutsche Herzstiftung fordert daher die Studiendaten konsequent umzusetzen und für die Laien-Reanimation eine alleinige Herzdruckmassage ohne zusätzliche Atemspende.

Komplizierte Regeln der Wiederbelebung hemmen Ersthelfer

In den ersten zehn Minuten nach einem Herzstillstand fehlt dem Körper nicht der Sauerstoff, sondern der Blutfluss. Der Sauerstoff kann nicht zum Gehirn transportiert werden. Durch die Herzdruckmassage wird ein solcher Blutfluss hergestellt, mit dem der Sauerstoff zum Gehirn gepumpt wird. Dies belegen mehrere Studien.

Aufgrund der Mund-zu-Mund-Beatmung sind viele Menschen durch viele Fragen verunsichert: In welchem Verhältnis zur Herzdruckmassage muss die Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgen? Wie lange beatmen? Was ist, wenn ich etwas falsch mache? Stecke ich mich mit Viruserkrankungen (z. B. Hepatitis) an? Was, wenn er/sie erbricht, wenn ich gerade beatme? „Diese Verunsicherung bei Ersthelfern wirkt sich nicht nur kontraproduktiv auf die sofortige Reanimation der bewusstlosen Person aus, sondern führt generell zur extrem niedrigen Ersthelferquote bei plötzlichem Herzstillstand. Das wollen wir unbedingt in den Köpfen potenzieller Laien-Ersthelfer ändern“, sagt Andresen.

Eine Darstellung der einzelnen Schritte der Laien-Reanimation finden Sie auf der Website der Deutschen Herzstiftung.

Der Herznotfall-Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (22 Seiten) mit einer Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen und Erläuterungen zur Wiederbelebung für Laien kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de bestellt.

 

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