Schaumeinsatz

2022_10

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Bei einem Schaumeinsatz entscheidet nicht nur die Löschleistung, sondern auch die zur Verfügung stehende Technik, die Taktik der Feuerwehren und auch Umweltaspekte.

Dabei spielt die Auswahl geeigneter Schaumlöschmittel für die Brandbekämpfung eine wesentliche Rolle. Aus diesem Grund rückt die Beschaffung entsprechender Schaummittel immer stärker in den Fokus. In den Wirkungsbereichen der Freiwilligen Feuerwehren haben sich verschiede Grundkonzeptionen für die Vorhaltung und den Einsatz von Schaumlöschmitteln etabliert, die leicht an die jeweilige Bedarfssituation angepasst werden können (siehe Broschüre).

Im Vordergrund steht dabei immer, den Einsatz fluorhaltiger Schaumlöschmittel zu reduzieren und, sofern möglich, den Einsatzwert mitgeführter Schaumlöschmittelmengen zu erhöhen oder Gewicht und Ladevolumen der Normbeladungsmengen zu reduzieren. So sparen gut durchdachte Schaumkonzepte mittelfristig bares Geld und ermöglichen eine leistungsfähige Brandbekämpfung mit Schaum bei geringem personellem Einsatz.

Freiwillige Feuerwehren müssen entsprechend der jeweiligen Gefährdungslagen im Ausrückebereich in der Lage sein, sehr breite Einsatzspektren abzudecken. Für die Brandbekämpfung mit Schaum bedeutet dies, dass sowohl im Bereich der Brandklasse A als auch der Brandklasse B Löscheinsätze in einem bestimmten Umfang möglich sein müssen.

Größtenteils kommen bei kommunalen Feuerwehren synthetische Mehrbereichschaummittel (MBS) oder Class-A Schaumlöschmittel zum Einsatz. Durch das breite Anwendungsspektrum für die Brandklassen A und B (nichtpolar1) sowie die Möglichkeit der Erzeugung von Netzwasser, ebenso wie Schwer-, Mittel- und Leichtschaum, können diese Schaumlöschmittel im überwiegenden Teil aller Einsatzfälle erfolgreich angewendet werden.

Zum Löschen kleinerer Brände (je nach Brandgut bis ca. 300 m²) nichtpolar und polarer2 Flüssigkeiten eignet sich u.a. das fluorfreie Schaumlöschmittel Moussol-FF 3/6. Dieses Löschmittel ermöglicht den Verzicht auf den Einsatz poly- und perfluorierter Chemikalien (PFC) enthaltender AFFF-AR-Schaumlöschmittel im Bereich Freiwilliger Feuerwehren unter Berücksichtigung der besonderen Gefahrenpotenziale durch polare Brandmedien.

Richtig eingesetzt dienen die fluorfreien Löschmittel nicht nur der effektiven Brandbekämpfung und dem sicheren Eigenschutz, sondern in erheblichem Maße auch dem Umweltschutz. Nicht zuletzt werden durch den Einsatz effektiver Schaumlöschmittel Brandgasemissionen und die Menge kontaminierten Löschwassers deutlich reduziert. Class-A oder Mehrbereichschaumlöschmittel sind zu 100 % biologisch abbaubar. PFC – haltige Verbindungen werden in diesen Rezepturen nicht verwendet. Um den Anforderungen auch bei der Auswahl der Schaumlöschmittel gerecht zu werden, sind die fluorfreien Sthamex-class-A oder Sthamex-F15 Mehrbereichschaummittel (MBS) geeignet, um mehr als 95 % des Einsatzvolumens abzudecken.Mitunter kommen auch noch filmbildende fluorhaltige AFFF und AFFF-AR-Schaumlöschmittel zum Einsatz.

Diese Schaummittelgruppe verfügt über besondere Eigenschaften, die herausragende Löschleistungen und Rückbrandbeständigkeiten in der Brandklasse B ermöglichen.

Erreicht wird dies durch den Einsatz von Fluorverbindungen (PFC), die eine gasdichte Barriere auf der brennbaren Flüssigkeit bilden.Bei der Betrachtung der Umwelteigenschaften sind Schaumlöschmittel der Gruppen AFFF und AFFF-AR kritischer zu bewerten als P F C freie Mehrbereich- oder Class – A Schaummittel, weil PFC nur sehr langsam in der Umwelt abgebaut werden. In der Vergangenheit wurde in AFFF/AFFF-A R Schaumlöschmitteln neben anderen Stoffen teilweise Perfluoroktansulfonat (PFOS) verwendet. Im Jahr 2006 wurde innerhalb der EU mit der Richtlinie 2006/122/EG (PFOS-Verbotsverordnung) die Produktion und das in Verkehr bringen von PFOS stark eingeschränkt, da dieser Stoff als persistent und „giftig“ klassifiziert worden ist. Vorhandene Feuerlöschschäume mit einem PFOS-Gehalt von > 50 mg/kg durften mit einer Übergangsfrist bis 27.06.2011 noch verwendet werden. Seit Ende August 2010 gilt ein Verbot für PFOS mit einem aktuellen Grenzwert von 10 mg/kg (It. EU Verordnung 757/2010).

Heute werden in diesen Schaumlöschmitteln Ersatzstoffe verwendet, die als nicht toxisch eingestuft werden, jedoch nach wie vor eine sehr lange Verweildauer in der Umwelt haben. Nach der Handlungsempfehlung des Umweltbundesamtes sollen diese Schaumlöschmittel nur dann eingesetzt werden, wenn sie aufgrund der Gefährdungslage unverzichtbar sind.

Die besonderen Eigenschaften dieser Schaumlöschmittel bieten ausschließlich bei der Brandbekämpfung großflächiger Klasse B-Brände Vorteile. Für alle anderen Bereiche, z.B. zum Erzeugen von Netzwasser oder zur Brandbekämpfung mit Schaum in der Brandklasse A, können sich neben den Umweltaspekten weitere einschränkende Effekte ergeben. Diese resultieren aus den schlechteren Netzeigenschaften, den geringeren Wasserhalbwertzeiten und der primären Ausrichtung auf den Schwer- und unteren Mittelschaumbereich.

Eine Einsatzentscheidung außerhalb der Brandklasse B sollte immer kritisch bewertet werden. Fluorhaltige Schaumlöschmittel ermöglichen für die Brandbekämpfung in der Brandklasse B bislang unerreichte Löschleistungen und Rückbrandbeständigkeiten. Für die herausragenden Eigenschaften der Fluorkomponenten konnten noch keine gleichwertigen Ersatzstoffe gefunden werden, die eine tatsächliche Entlastung der Umwelt bieten würden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass auch auf AFFF-Schaumlöschmittel aktuell nicht verzichtet werden kann. Der sicherste Weg, nicht autorisierte Anwendungen (z.B. durch Fehlbedienungen) auszuschließen, führt über sinnvolle und gut durchdachte Schaumkonzepte.

1 nichtpolar – Brandklasse B nicht mit Wasser mischbare Flüssigkeiten, wie Benzin Diesel usw.
2 polar – Brandklasse B mit Wasser mischbare Flüssigkeiten, wie Alkohle , Mehanole usw.

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