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Teileinsturz eines Gebäudes endet tödlich

2020_06

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In Düsseldorf-Friedrichstadt kam es am 27. Juli 2020 zum Teileinsturz eines Gebäudes. Anschließend wurden zunächst zwei Bauarbeiter vermisst. Zudem bestand akute Einsturzgefahr des Gebäudes. Die Feuerwehr räumte daher u. a. drei Nachbargebäude, wobei insgesamt 40 Menschen ihre Wohnung verlassen mussten. Mittlerweile wurden leider beide vermissten Personen tot aufgefunden.

Am 27. Juli 2020 kam es in Düsseldorf-Friedrichstadt zu einem Teileinsturz eines Gebäudes. (Symbolbild). © Stefan – stock.adobe.com.

Am Montag, 27. Juli 2020, wurde die Feuerwehr Düsseldorf gegen 13.30 Uhr über den Teileinsturz eines Gebäudes in der Luisenstraße informiert. Eine erste Lageerkundung ergab, dass es in einem leer stehenden Gebäude bei Bauarbeiten dreieinhalb Geschosse teilweise eingestürzt waren. Ein 39-jähriger Bauarbeiter wurde vermisst. Im ersten Schritt musste die Feuerwehr Düsseldorf zeitintensive Sicherungsmaßnahmen vornehmen, da weiterhin eine akute Einsturzgefahr bestand.

Die Einsatzkräfte brachten einen weiteren Bauarbeiter aufgrund einer internistischen Erkrankung vorsorglich in ein Krankenhaus. Die Feuerwehr betreute seine neun Kollegen zunächst vor Ort. Sie  konnten die Einsatzstelle im weiteren Verlauf  jedoch unverletzt verlassen. Zur Betreuung der Betroffenen sowie der Angehörigen unterstützten die Notfallseelsorge Düsseldorf sowie der leitende düsseldorfer Nofallpsychologe die Feuerwehr.

Mitarbeiter der Netzgesellschaft sperrten die gesamte Energiezufuhr des Gebäudes. Vorsorglich räumte die Feuerwehr in Zusammenarbeit mit der Polizei drei angrenzende Gebäude. 31 der 40 betroffenen Menschen mussten durch die Landeshauptstadt in Ausweichquartiere untergebracht werden. Die restlichen Bewohner kamen im Freundes- und Familienkreis unter.

Zweite Person vermisst

Am frühen Abend meldete sich ein Arbeitskollege des Vermissten. Er berichtete der Feuerwehreinsatzleitung, dass sich vermutlich ein weiterer 35-jähriger Arbeiter während des Einsturzes im Gebäude aufgehalten hatte und nun ebenfalls vermisst werde. Mithilfe des Arbeitskollegen grenzten die Einsatzkräfte den vermuteten Verschüttungspunkt ein.

Bereits frühzeitig hat die Feuerwehr Düsseldorf mehrere Fachleute zur Unterstützung an die Einsatzstelle beordert. So konnte ein ganzes Fachgremium, bestehend aus Mitarbeitern der Feuerwehr Düsseldorf, des städtischen Bauaufsichtsamtes, mehrere Statikern, Vertreter der Bezirksregierung, Fachberatern des Technischen Hilfswerkes sowie Fachleute eines Spezialunternehmens die personal- und zeitintensive Einschätzung der gesamten Statik an der Einsatzstelle und die ersten Planungen zur Freilegung der Unglücksstelle vornehmen.

Eine Rettungshundestaffel befand sich seit dem frühen Nachmittag ebenfalls mit elf Hunden vor Ort. Bei Bedarf werden sie umgehend die Einsatzkräfte der Feuerwehr unterstützen.

Einsatzkräfte räumen den Teileinsturz

Um sich einen Zugang zu den Vermissten zu verschaffen, entfernte die Feuerwehr Düsseldorf frühzeitig erste Teile eines Baugerüsts. Auch während der Nacht zum 28. Juli 2020 hatte die Feuerwehr unter Hochdruck an der Freilegung der Einsturzstelle gearbeitet. Dazu mussten die Einsatzkräfte weitere Teile des Baugerüsts beseitigen und weitere Trümmer- und Gebäudeteile von der Einsatzstelle entfernen. Ein Feuerwehr- und ein Spezialkran unterstützten diese Räumungsarbeiten. Auch die Höhenretter der Feuerwehr begleiteten die Räumungsarbeiten. Beim Freilegen der Einsturzstelle waren besondere Vorsicht und Besonnenheit nötig, da weiterhin Einsturzgefahr bestand. Das Technische Hilfswerk installierte zur zusätzlichen Überwachung und Beurteilung der Statik ein sogenanntes Einsatzstellen-Sicherungs-System. Das THW befestigte dazu Messpunkte an strategischen Stellen, die die Baustruktur beurteilten und die Einsatzkräfte vor weiteren Einstürzen warnten.

Traurige Nachricht

In den frühen Morgenstunden des 28. Juli 2020 gelang es den Einsatzkräften, weitere Trümmer- und Gerüstteile aus dem Einsturzgebiet zu entfernen.  So näherten sie sich sukzessive dem Bereich, in dem sie einen der vermissten Arbeiter vermuten. Dabei fanden sie einen der beiden Bauarbeiter tot auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde der zweite Arbeiter immer noch vermisst. Nachdem es den Einsatzkräften in der Mittagszeit des 29. Juli 2020 gelang, weitere Trümmerteile zu beseitigen, konnten sie sich dem Suchbereich nähern, in dem der zweite Arbeiter vermutet wurde. Als sie ihn auffanden, konnte die Notärztin lediglich noch seinen Tod feststellen.

Gegen Abend des 29. Juli 2020 gelang es, einen der beiden Leichname zu bergen, nachdem die Trümmerbeseitigung weit voran geschritten war. Als die Einsatzkräfte gegen 23.30 Uhr zwei große Trümmerteile entfernen konnten, war es ihnen auch möglich, den zweiten Leichnam zu bergen.

Die Feuerwehr Düsseldorf, der Technik- und Kommunikationszug der Freiwilligen Feuerwehr und der Rettungsdienstes der Landeshauptstadt sowie das Technischen Hilfswerks befanden sich mit rund 80 Einsatzkräften an der Einsatzstelle. In der Nacht vom 28. Juli auf den 29. Juli 2020 blieb die Feuerwehr ebenfalls mit rund 60 Einsatzkräften vor Ort. Die 20, am 30. Juli 2020 noch vor Ort befindlichen Einsatzkräfte werde im Laufe des Vormittags noch notwendige Abschluss- und Rückbaumaßnahmen vor.

Feuerwehr Düsseldorf
Stefan Gobbin
Tobias Schülpen

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