Extremwetterlagen haben zugenommen

Wetterexperte Sven Plöger erklärt, wie sich die Wetterlagen in den letzten Jahren verändert haben.

Im Interview mit dem Magazin "Positionen" spricht der Meteorologe Sven Plöger über die Wetterveränderungen der letzten Jahre und gibt einen Ausblick auf das, was uns in Zukunft erwartet.

Heftige Stürme, Starkregen und teilweise auch Überschwemmungen – es scheint, als würde das Wetter in den letzten Jahren immer extremer. Auch Sven Plöger meint im Interview, dass sich im Vergleich zu den letzten 10 bis 15 Jahren diesbezüglich viel verändert hat und Extremwetterlagen zugenommen haben.

Für konkretere Aussagen zur zukünftigen Entwicklung des Klimas muss man jedoch den Durchschnitt der letzten 30 Jahre heranziehen. Tatsächlich bewegt sich unser Wetter mit diesem Vergleich zwar nah an der oberen Grenze, aber dennoch  im Bereich der normalen Variabilität. Plöger geht davon aus, das wir im langfristigen Mittel von einer Klimaveränderung ausgehen können, selbst wenn die Statistik das momentan noch nicht konkret hergibt.

Hitze, Unwetter, Niederschläge – was kommt auf uns zu?

In Zukunft nehmen die Temperaturen weiterhin zu. So hatten wir in den 1950er-Jahren in Deutschland im Flächenmittel drei Tage im Jahr, an denen die Durchschnittstemperatur landesweit über 30 °C angestiegen ist. Mittlerweile ist die Zahl auf acht Tage angestiegen. Auch Stürme werden in Zukunft wohl etwas heftiger ausfallen. Sven Plöger sagt allerdings, dass wir nicht unbedingt mit einer Häufung rechnen müssen.

Auffällig ist auch die Zunahme der Niederschläge. Plöger erklärt, woran das liegt: „In Deutschland sind wir es gewohnt, dass von Westen ein Tiefdruckgebiet heranzieht und Regen bringt, dann folgt ein Hoch mit Sonnenschein – unser typisch wechselhaftes Wetter eben. Bestimmend für die Zugbahn dieser Hochs und Tiefs ist der sogenannte Jetstream. Das ist ein Starkwindband, das in zehn Kilometern Höhe um den gesamten Planeten läuft, ausgelöst durch die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Arktis. Je größer diese Differenz, desto mehr Wind weht in der Höhe. Jetzt wird es aber am Nordpol überproportional wärmer, das heißt, der Temperaturunterschied nimmt ab. Damit verändert sich der Jetstream – und unsere Hochs und Tiefs werden langsamer.“

Mittlerweile gelingt es den Meteorologen sehr gut, die Schwerpunktregionen für starke Niederschläge vorauszusagen. Einzelne Gewitter sind allerdings nicht ganz so einfach zu verorten. Zumindest nicht am Vortag. Ist ein Gewitter aufgezogen, können die Wetterexperten den Ort sehr gut eingrenzen und auch präzise Warnungen abgeben.

Naturgewalten nur schwer im Griff

Auch in unserer hochtechnologisierten Welt haben wir die Naturgewalten eben nur schwer im Griff und so appelliert Plöger insbesondere auch an das richtige Verhalten in solchen Situationen. Statt mal eben noch schnell etwas aus dem Keller zu holen, ist es oft überlebenswichtig, sich schnell in Sicherheit zu bringen.

Klimawandel aufhalten, aber wie?

Die genauen Folgen des Klimawandels sind vielleicht noch nicht absehbar, doch Gegenmaßnahmen unerlässlich. So appelliert Sven Plöger im Interview daran, eine Doppelstrategie zu fahren: „Anpassen und vermeiden. Die Zunahme von Starkregen ist Fakt, da wird ein Land wie Deutschland erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen. Gleichzeitig bleibt die Notwendigkeit, etwas gegen die weitere Erwärmung der Atmosphäre zu tun. Das bedeutet vor allem, den CO2-Ausstoß zu senken. Dazu müssen wir das, was wir auf nationaler und internationaler Bühne beschlossen haben, dann aber auch machen.“

Klimaschutz geht alle etwas an

Plöger träumt von einem Produkt, das den Klimaschutz sexy macht. Würden die positiven Folgen von klimaschonendem Verhalten direkt erlebbar sein, würde jeder einzelne Mensch sicher einen größeren Beitrag zu diesem wichtigen Projekt leisten. Darüber hinaus sei aber auch die Kommunikation zur Thematik oft schwierig, denn Unwissen und Halbwissen sorgen oft dafür, dass Fakten in den Hintergrund gedrängt und zu viel Emotionalität in den Vordergrund rücken würden. Aufklärung sei wichtig: „Denn so lange man etwas nicht genau versteht, gibt es auch nicht den Willen und die Bereitschaft, deswegen sein Verhalten zu ändern.“

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