Die Brandfluchthaube: Helfer für die Menschenrettung

2024_04

Mehr aktuelle Beiträge und Einsatzberichte finden Sie in:
FEUERWEHR | RETTEN – LÖSCHEN – BERGEN
Deutschlands große Feuerwehrzeitschrift
JETZT LESER/-IN WERDEN

Sie sind Hilfsmittel, wenn Personen aus einem verrauchten Bereich gerettet werden müssen: Brandfluchthauben, auch „Rettungshauben“ oder kurz „Fluchthauben“ genannt, schützen ihre Träger/-innen auf dem Weg vor den Rauchgasen. 

Brandfluchthaube im Einsatz bei einer Evakuierungsübung.
Im Einsatz: Hier wird die Brandfluchthaube bei der Rettung einer bettlägerigen Person genutzt. Das Bild stammt von einer Einsatzübung im Landkreis Schmalkalden-Meiningen aus dem Jahr 2017. Foto: Marcus Heinz

Für die Menschenrettung aus Brandwohnungen und verrauchten Gebäudebereichen bieten sich verschiedene Wege an, etwa eine Rettung über die Drehleiter oder durch den Hausflur. Die Idealvorstellung ist dabei selbstverständlich die Rettung ohne Kontakt zum giftigen Brandrauch. Wenn dieser aber droht oder sich sicher nicht mehr vermeiden lässt, können sogenannte Brandfluchthauben zum Einsatz kommen. Damit können die betroffenen Personen durch einen verrauchten Bereich gerettet werden.

Es gibt sowohl umluftabhängige Modelle, die in der Regel der Selbstrettung dienen, als auch solche, die an einen Pressluftatmer angeschlossen werden können. Da nur letztere auch bei Sauerstoffmangel in der Umgebungsluft genutzt werden können, finden bei Feuerwehren in der Regel diese Modelle Anwendung.

Umluftabhängige Brandfluchthauben

Die Brandfluchthauben zur Selbstrettung sind umluftabhängige Atemschutzgeräte, genormt in der DIN EN 403 („Atemschutzgeräte für Selbstrettung – Filtergeräte mit Haube zur Selbstrettung bei Bränden“) sowie DIN 58647-7 („Atemschutzgeräte für Selbstrettung – Teil 7: Fluchtfiltergeräte). Letztere unterscheidet drei Klassen von Fluchthauben je nach Haltezeit (5 min, 10 min, 15 min). Die Nenngebrauchszeit beträgt zwar laut DIN EN 403 max. 15 min, allerdings ist dabei zu beachten, dass der Sauerstoffbedarf einer Person unterschiedlich hoch sein kann, je nach der tatsächlichen Belastung und abhängig von der Konstitution.

Es gibt stationäre und Mitführgeräte. Sie schützen Personen gegen Kohlenmonoxid (CO) und weitere Brandfolgeprodukte wie z.B. Gase, Ruß und verschiedene Partikel. Zu diesem Zweck verfügen die meist aus beschichtetem Gewebe bestehenden Hauben mit Sichtfenster über einen mit der Haube verbundenen Mehrbereichs- bzw. Kombinationsfilter, meist ist das ein Partikel-CO-Filter oder auch ein kombinierter Partikel-, CO- und ABEK-Filter. Den Schutz vor Kohlenstoffmonoxid (CO) ermöglicht ein katalytischer Filter (Hopkalit). Er katalysiert die Oxidation von CO mit dem Sauerstoff in der Luft zu CO2.

Zum Schutz vor der Umgebungsluft verfügen die Filter der Fluchthauben in der Regel über Rückschlagventile, sodass Luft durch das Mundstück nur beim Einatmen einströmen kann. Im Inneren der Fluchthauben wird bei manchen Modellen laut Herstellerangaben ein Überdruck erzeugt, sodass sie nicht vollständig abgeschlossen anliegen müssen, um Schutz zu bieten.

Umluftunabhängige Brandfluchthauben

Im Gegensatz zu pressluftbetriebenen Atemschutzgeräten („Pressluftatmer“, kurz PA) schützen die meisten Fluchthauben zwar vor schädlichen Brandgasen, nicht jedoch gegen Sauerstoffmangel in der Umgebungsluft. Daher gibt es neben Fluchthauben mit Filter  auch solche mit einer Anschlussmöglichkeit an den Pressluftatmer einer Feuerwehreinsatzkraft. Für diese bedeutet das natürlich einen höheren Verbrauch an Atemluft, da die zweite Person „mitversorgt“ werden muss. Der Anschluss erfolgt bei diesen Modellen über einen Luftschlauch, der am T-Stück des Atemschutzgeräts angeschlossen wird. Mittlerweile sind sogar umluftunabhängige Brandfluchthauben mit eigener 2-l-Druckgasflasche auf dem Markt.

Praktischer Einsatz

Eine Fluchthaube mit umluftabhängigem Filter ermöglicht eine sichere Flucht nur in Umgebungen, in denen noch ausreichend Sauerstoff in der Luft vorhanden ist. Auch bei Modellen mit PA-Anschlussmöglichkeit sollte stets ein möglichst kurzer Fluchtweg gesucht werden.

Es ist immer damit zu rechnen, dass die zu rettenden Menschen der Fluchthaube skeptisch begegnen oder – das gilt besonders für Kinder – sogar Angst davor haben, sie zu tragen. Trotz aller gebotenen Eile sollten Einsatzkräfte die Haube daher kurz erklären, ehe sie sie der zu rettenden Person überziehen. Die meisten dieser Masken sind Einwegprodukte.

Sarah Altendorfer,
Redaktion

Quellen
Atemschutzlexikon
„Feuerwehrlexikon“ der FF Markt Eschlkam
Arbeitssicherheit.de

Mehr Infos

Sie wollen regelmäßig aktuelle Einsatzberichte, Techniknews und Fahrzeuginfos der FEUERWEHR erhalten? Dann melden Sie sich jetzt für unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter an!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert