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WISSEN - 23. Dezember 2020

Richtiger Umgang mit Löschwasser

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Im Fall eines Brandes gilt es, schnell richtige Entscheidungen zu treffen, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen und Schäden an Gebäuden, Gütern und v. a. Menschen zu verhindern. Das hat absolute Priorität – doch kaum jemand denkt in dem Moment an die Gefahren, die vom Löschwasser ausgehen können. 

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Löschwasser kann für die Umwelt durchaus gefährlich werden. Deswegen ist es wichtig, den richtigen Umgang damit zu erlernen. @ Diana Kosaric - stock.adobe.com

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Löschwasserbarriere: Verhindern, dass Löschwasser aus Türen oder Toren entweicht. Foto: Thomas Sys Tech. GmbH

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Häufig wird Löschwasser durch Löschmittel, Verbrennungsprodukte oder gelagerte Chemikalien kontaminiert und enthält dann gefährliche Stoffe, die nicht in die Umwelt entweichen dürfen. Daher bedarf es Maßnahmen, um das Löschwasser am unkontrollierten Abfließen zu hindern – die Rede ist von Löschwasserrückhaltung.

Welche konkreten Gefahren gehen von Löschwasser aus?

Entweicht mit gefährlichen Stoffen verunreinigtes Löschwasser in die Umwelt, drohen schwere Umweltschäden. Darunter z. B. Fischsterben in Flüssen, Tiere, die beim Trinken des verunreinigten Wassers sterben, das Sterben von Pflanzen, welche das verunreinigte Wasser aufnehmen, oder die Verschmutzung des Grundwassers. Am größten sind diese Gefahren, wenn es in Chemieunternehmen oder anderen Betrieben brennt, die chemische Stoffe produzieren, lagern oder verarbeiten. Hier kommt das Löschwasser ggf. direkt mit diesen giftigen, chemischen Substanzen in Kontakt und wird dadurch kontaminiert.

Aber auch bei Bränden in landwirtschaftlichen Betrieben können starke Verunreinigungen entstehen (z. B. durch Dünger). Brennt es in Automobilbetrieben, so können z. B. Schmierstoffe, Kraftstoffe oder andere Chemikalien, die in Kfz zum Einsatz kommen, Verunreinigungen des Löschwassers hervorrufen. Schwerwiegend und noch wenig erforscht sind die Folgen beim Brand von bspw. Elektrofahrzeugen oder anderen Kfz mit alternativen Antriebstechnologien. Hier können viele noch relativ unbekannte gefährliche Stoffe austreten. Bei Bränden in Druck-, Lackier-, oder Malerbetrieben geht die Gefahr vor allem von Farben, Lacken, Tinten usw. aus.

In bestimmten Fällen kann auch vom Löschwasser selbst eine direkte Gefahr ausgehen, z. B. wenn Chemikalien oder brennbare Stoffe als Film auf dem Löschwasser brennen und somit Personen gefährden. Auch bei der Verunreinigung des Löschwassers mit starken Säuren oder Basen ist extreme Vorsicht geboten. Die unkontrollierte Verbreitung dieses Löschwassers ist unbedingt zu vermeiden, auch damit keine Personen gefährdet sind. Zuletzt muss man auch das Löschmittel selbst kritisch betrachten, da einige Löschschäume beispielsweise PFC enthalten, die im Verdacht stehen, das Grundwasser und Trinkwasser langfristig zu verunreinigen.

Löschwasserrückhaltung muss geplant werden

Damit man sich im Brandfall auf das Löschen und Retten konzentrieren kann, müssen Betriebe die Maßnahmen zur Löschwasserrückhaltung idealerweise schon im Vorfeld planen und dabei ggf. entsprechende bauliche Vorkehrungen treffen. Empfehlenswert ist die Erstellung eines Löschwasserrückhalte-Konzepts auf Grundlage der geltenden Umwelt-, Brandschutz- und Wasserschutzverordnungen. Es sollte alle Maßnahmen und Abläufe zur Rückhaltung von Löschwasser im Brandfall dokumentieren.

Ob ein Betrieb zur Rückhaltung von Löschwasser verpflichtet ist und welche Gefährdungsstufen gelten sowie die benötigten Rückhaltevolumen für Löschwasser richten sich nach den jeweils geltenden Gesetzen und Vorschriften (in Deutschland z.B. die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffe AwSV). Dies ist individuell zu ermitteln. Das Löschwasser Rückhaltekonzept ist mit den zuständigen Behörden und ggf. Fachbetrieben abzustimmen und im Betrieb gut zugänglich und schnell griffbereit aufzubewahren.

Maßnahmen zur Löschwasser-Rückhaltung

Die am häufigsten eingesetzten Rückhaltemaßnahmen sind:

  • Auffangwannen und Auffangbehälter: Hierfür eigenen sich z.B. spezielle Tanks, Becken, spezielle Räume wie Keller o.ä. Wichtig ist vor allem, dass die Behälter baulich intakt und dicht sind und genügend Volumen besitzen. Bei geschlossenen Behältern ist außerdem eine Belüftung notwendig, falls gefährliche oder explosive Dämpfe bzw. Gase entstehen könnten.
  • Löschwasserbarrieren: Sie verhindern, dass Löschwasser unkontrolliert aus Türen oder Toren entweichen kann. Dadurch wird es im Gebäude festgehalten. Die Barrieren gibt es als automatische oder manuelle Varianten, wobei die automatischen Barrieren z.B. mit Brandmeldeanlagen oder Sprinklern gekoppelt werden können oder bei Stromausfall auslösen.
  • Rückstau auf Freiflächen: Mangelt es an baulichen Maßnahmen oder Barriere-Systemen, aber es steht eine große Freifläche (z. B. asphaltierter Platz mit Randbegrenzung) zur Verfügung? Auch hier kann das Löschwasser aufgefangen werden. Voraussetzung sind eine absolut dichte Randbegrenzung, z.B. betonierte Bordsteine, sowie die Abdichtung sämtlicher möglicher Abflüsse und Drainagen. Abflüsse können z. B. mit Kanalabdeckplatten versiegelt, oder weiträumig mit Rückhalteschläuchen bzw. Doppelkammerschläuchen umlegt werden.

Was passiert mit dem aufgefangenen Löschwasser?

Sobald ein Brand bekämpft ist und es an die Aufräumarbeiten geht, ist auch das aufgefangene Löschwasser zu entfernen. Je nach dem Grad der Kontaminierung müssen die passenden Pumpfahrzeuge ausgewählt werden. Nicht jeder Tank darf jede Flüssigkeit transportieren! Hier ist individuell an Hand von Proben des Wassers zu prüfen, wie stark die Verschmutzung ist und welche Sicherheitsbestimmungen beim Transport beachtet werden müssen.

Bei leichter Verschmutzung ist es in der Regel möglich, das Wasser in Kläranlagen einzuführen und dort reinigen zu lassen. Wenn allerdings eine starke chemische Verschmutzung vorliegt und eine Reinigung über Mikrobakterien in Kläranlagen nicht möglich ist, dann muss das Löschwasser als Sondermüll behandelt und entsorgt werden.

Fazit

Nach einem Brand gilt es, weitere Schäden durch verunreinigtes Löschwasser unbedingt zu verhindern. Schadenereignisse aus der Vergangenheit haben oft gezeigt, dass kontaminiertes Löschwasser enorme Schäden anrichten kann – und im Schadenfall haftet der Betreiber der Anlagen, wenn er sich nicht an die gesetzlichen Pflichten zur Rückhaltung von Löschwasser gehalten hat. Der richtige Umgang mit Löschwasser kann zusätzliche Schäden und Kosten können verhindern.

Gastbeitrag Martin Drong
Thomas Sys Tech GmbH

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