Vollbrand eines Zweifamilienhauses in Herdecke

2024_04

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120 Rettungskräfte und Feuerwehrleute im Einsatz bei einem ausgedehnten Gebäudebrand in einem Zweifamilienhaus in Herdecke. Die Hasen der Hausbesitzer wurden gerettet. Verletzt wurde niemand.

Gebäudebrand in der Gahlenfeldstraße. Foto: Feuerwehr Herdecke
Flammen schlugen aus allen Seiten. Bei Ankunft der Einsatzkräfte in der Gahlenfeldstraße. Foto: Feuerwehr Herdecke

Die Feuerwehr Herdecke (Ennepe-Ruhr-Kreis, NRW) wurde am 30. Juli 2023 gegen 22.52 Uhr zu einem brennenden Gebäude in die Gahlenfeldstraße alarmiert. Die Anfahrt konnte wegen des deutlichen Flammenscheins auf Sicht erfolgen. Obgleich die Feuerwehr bereits 5 min nach der Alarmierung eintraf, brannten das erste Obergeschoss und das Dachgeschoss des Zweifamilienhauses bereits in voller Ausdehnung.

Die Einsatzkräfte trafen einen Bewohner, der den Notruf abgesetzt hatte, unverletzt auf der Straße. Er versicherte der Einsatzleitung, dass keine Menschen mehr im Gebäude waren. Allerdings befanden sich noch einige Hasen auf der Terrasse. Angehörige des Rettungsdienstes betreuten den Hausbewohner.

Feuer droht auf Industriehalle überzuschlagen

Das Feuer war stark fortgeschritten und drohte wegen seiner starken Wärmestrahlung auf ein benachbartes Produktionsgebäude überzugreifen. Daher errichteten die Einsatzkräfte eine Riegelstellung, um die Halle zu verteidigen. Sie konnten letztlich eine Brandausbreitung auf die Industriehalle verhindern.

Überblick über den Einsatzort. Mehr als 80 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren waren im Einsatz. Foto: Feuerwehr Herdecke
Überblick über den Einsatzort. Mehr als 80 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren waren im Einsatz. Foto: Feuerwehr Herdecke

Kein Innenangriff aufgrund möglicher Einsturzgefahr

Da ein Einstürzen des Gebäudes nicht ausgeschlossen werden konnte, erfolgten Löschmaßnahmen aus Eigensicherheitsgründen zunächst nur im Außenangriff. Mit einem Wasserwerfer und drei C-Rohren wurden das Dach und die Vorderseite des Gebäudes bearbeitet.

Auch im hinteren Bereich herrschte starke Wärmestrahlung. Dort war das Feuer auf einen Wintergarten durchgebrannt und dort bereits in den Dachstuhl gezogen. Mit zwei weiteren C-Rohren erfolgten Löschmaßnahmen auf der Gebäuderückseite. Ein Trupp rettete währenddessen die Hasen.

Der gesamte erste Stock und das Dachgeschoss standen in Vollbrand. Foto: Feuerwehr Herdecke
Der gesamte erste Stock und das Dachgeschoss standen in Vollbrand. Foto: Feuerwehr Herdecke

Einsatzabschnitte und Atemschutzlogistik

Der Einsatzleiter teilte die Einsatzstelle in drei Abschnitte und führte regelmäßig Besprechungen mit deren Leitern durch. Gemäß dem bestehenden kreisweiten Konzept wurden überörtliche Kräfte aus Wetter und Witten zum Einsatz hinzugezogen. Die Kreisfeuerwehrzentrale versorgte die Einsatzkräfte an einer im weiteren Verlauf eingerichteten Atemschutzsammelstelle mit Atemschutzgeräten. Auch Kreisbrandmeister Rolf-Erich Rehm und die Bürgermeisterin Dr. Katja Strauß-Köster waren vor Ort und verschafften sich einen Überblick über die Lage. Die Bürgermeisterin unterstützte bei der Betreuung des Bewohners.

Effektive Bekämpfung des Gebäudebrands

Zügig zeigten die Löschmaßnahmen Wirkung und das Feuer konnte relativ schnell zurückgedrängt werden. Viele Glutnester waren jedoch schwer zugänglich, besonders im hinteren Bereich des Daches. Mithilfe zweier Drehleitern und mit Einreißhaken legten die Einsatzkräfte unter Atemschutz diese Glutnester arbeits- und zeitintensiv frei. Um die maximale Ausladung erreichen zu können, mussten die Maschinisten die Drehleitern dabei zentimetergenau aufstellen.

Sobald das Feuer unter Kontrolle und der Brandrauch weitestgehend abgezogen war, konnte die Einsturzgefahr besser eingeschätzt werden. Die Einsatzkräfte nahmen an der Gebäuderückseite Steckleitern vor und begannen darüber einen Innenangriff, um in den Zimmern weitere Glutnester zu bekämpfen. Um ca. 3 Uhr waren alle Glutnester im Dach abgelöscht und die meisten Kräfte konnten abgezogen werden.

Die Erdgeschosswohnung des Gebäudes brannte nicht aus und wurde auch durch das Löschwasser nur leicht beschädigt, da die Feuerwehr penibel auf einen angemessen sparsamen Wassereinsatz geachtet hatte.

Mit der Drehleiter wird das Dach abgedeckt um Glutnester besser erreichen zu können. Foto: Feuerwehr Herdecke.
Mit der Drehleiter wird das Dach abgedeckt um Glutnester besser erreichen zu können. Foto: Feuerwehr Herdecke.

Information für die Öffentlichkeit

Die Medienbetreuung vor Ort übernahm ein Pressesprecher. Der Einsatzleiter bat die Leitstelle außerdem frühzeitig, die Bevölkerung über die Warnapp „NINA“ zu informieren, da eine starke Rauchentwicklung vorherrschte und Brandrauch gesundheitsschädlich ist.

Eingesetzte Einheiten 

Neben der kompletten Feuerwehr Herdecke waren auch ein Löschzug der Berufsfeuerwehr Witten sowie ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Wetter (Ruhr) im Einsatz. Ein weiteres LF der Feuerwehr Wetter (Ruhr) und die DL der Feuerwehr Hattingen waren am Gerätehaus der Feuerwehr Herdecke für mögliche weitere Einsätze in Bereitschaft. Die Johanniter Unfall Hilfe (JUH) stellte einen Rettungswagen zur Sicherstellung des Eigenschutzes, auch ein Notarzt (Regelrettungsdienst) war zeitweise im Einsatz. Die Versorgung der Einsatzkräfte (vor Ort und an der Feuerwache) übernahm die JUH. Eine Bäckerei spendete belegte Brötchen. Insgesamt waren etwa 120 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Johanniter Unfall Hilfe im Einsatz, um die Einsatzstelle und die Grundsicherung sicherzustellen.

Ein Löschfahrzeug blieb von 4.00 bis 9.00 Uhr zur Brandwache an der Brandstelle. Das Gebäude wurde von der Strom- und Wasserversorgung getrennt.  Am Morgen nahm die Kriminalpolizei Ermittlungen zur Brandursache und Schadenhöhe auf.

Christian Arndt, Feuerwehr Herdecke
Patric Poblotzki, Feuerwehr Wetter (Ruhr)

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